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Der jüdische Student · 1920-04-01 · Heft 2 (April 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 2 (April 1920)
Date
1920-04-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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80 Löwenstein, Berufswahl er sich wirtschaftlich tiefer und tiefer mit dem Leben seiner Umwelt. Ein Kompromiß nach dem anderen taucht lockend vor ihm auf, immer weniger empfindet er die Kluff gegenüber irgend einem Assimilanten, immer mehr erscheint ihm sein Zionismus als Jugendtorheit, mindestens aber als jugendliche Üebertreibung. Die Erfahrung zeigt uns, daß selbst die Besten sich diesen Einflüssen nicht entziehen können, weil es sich eben letzten Endes um Verhältnisse handelt, die stärker sind als der Einzelne. Wir brauchen eine Berufswahl, die sich als Resultat der zionistischen Erziehung und Gesinnung ergiebt, nicht einen Beruf, der diese Gesinnung täglich und stündlich arif die Probe stellt. Wie findet die Berufswahl des jüdischen Abiturienten heute statt? Im allgemeinen spielen die Eltern dabei eine ziemlich entscheidende Rolle. Der jüdische Abiturient, wenn er nicht gerade aus der deutschen Jugendbewegung hervorgegangen oder bereits wirklicher Zionist ist, pflegt noch sehr stark vom elterlichen Einfluss abhängig zu sein, und für die alte Generation ist der Wunsch maßgebend, daß es der Sohn weiterbringen soll als der Vater. Die höhere soziale Stellung ist das Ideal der jüdischen Eltern. Der jüdische Kaufmann, der vielleicht selbst gern studieren wollte, aber nicht die Mittel dazu hatte, will, daß dem Sohne dieses Glück beschieden sei. Es gibt für den jüdischen Bourgois in Deutschland eine ganz bestimmte Reihenfolge der Berufe, die mit den akademischen beginnt, zu den kaufmännischen führt, um dann bei den für einen Juden überhaupt nicht in Betracht kommenden Berufen zu enden, die etwas mit körperlicher Arbeit zu tun haben. Bei der Wahl zwischen den verschiedenen akademischen Berufsmöglichkeiten pflegt die Neigung der Eltern sich gegen die verwaltungsmäßig gebundenen Berufe (Richter) und für die sogenannten freien (Rechtsanwalt) zu entscheiden. Daß nur an eine berufliche Tätigkeit im deutschen Milieu gedacht wird, ist selbstverständlich. Es ist die elementare Grundlage jeder Berufsentscheidung in unserem Kreis, daß ,der Begriff eines sozial höheren oder niederen Berufes fallen gelassen wird. Die gegenwärtige Entwicklung in Deutschland beweist, daß die Akademiker nur an der Spitze alier Rückständigkeiten und Beschränktheiten stehen, und daß es jedenfalls viel eher die körperlich arbeitenden Berufsklassen sind, die als führend bewertet werden können. Aber von solchen Erwägungen ganz abgesehen ist es für Menschen, die den Aufbau von Palästina wollen, die wissen, daß die wirkliche Arbeit des Bauern allein das Land zu einem jüdischen machen kann, ganz selbstverständlich, daß sie auch in ihrer eigenen Berufswahl diese sozialen Wertungen überwinden, und von diesem Standpunkt aus sehe ich persönlich in der Durchbrechung des akademischen Rahmens eine Maßnahme von erzieherischer Bedeutung, damit die Bundesbrüder endgültig empfinden lernen, daß sie nichts Besseres sind als z. B. die H. C.-er.

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