Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1920)
- Date
- 1920-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Oppenheim, Einige Bemerkungen zu unserer innern Situation 53 ihrem Lustgefühl nachgehen, für uns K.J.V.-er, die wir Männer sind und erziehen wollen, gibt es zionistische Pflichten. Gewiß ist Organisation, Politik, Propaganda und Ähnliches keine sehr erfreuliche Betätigung, doch die Verwirklichung der Idee bedingt pflichttreue und bescheidene Einstellung in die Reihe der Diensttuenden. Aufgabe unserer Bundesbrüder ist es, diese im K.J.V. an sich alten Gedanken der Einordnung in das Ganze und Hintansetzung persönlicher ^Wünsche hinter das Wohl unserer Sache in die Kreise unserer Jugendbewegung zu bringen. Einige Bemerkungen zu unserer innern Situation*) Angeregt durch den Aufsatz von J. Toeplitz (Jahrg. XVI. Nr. 8) scheint es mir wichtig, einige Bemerkungen zu der inneren Situation zu machen, in, der sich im Augenblick derjenige K. J. V.-er oder überhaupt derjenige Zionist befindet, der darauf wartet, baldigst nach Palästina überzusiedeln. Ich bin mir bewußt, daß sich dieses ganze individuelle Problem, das fast jeden Einzelnen von uns gerade jetzt stark bedrückt, in. diesem Rahmen nicht erschöpfen läßt, und daß eine Lösung erst mit den zukünftigen außer- und innerpolitischen Ereignissen in Erez jisrael zu erwarten ist. Trotzdem halte ich es für notwendig, gerade im Rahmen des J. St. darüber zu sprechen. Wir oder die meisten von uns erhoffen vom Zionismus zweierlei. Einmal etwas Unpersönliches: die nationale Wiedergeburt unseres Jüdischen Volkes. Andererseits etwas Persönliches : die nationale Wiedergeburt unserer Individualität. Wir wollen nach Palästina nicht nur, um für unser Volk dort zu arbeiten, sondern auch um unser Galuth abzustreifen, um unsere seelische Harmonie wiederzugewinnen, die wihier nicht mehr haben, vielleicht im Grunde gar nicht gehabt haben, deren Fehlen wir aber alle jedenfalls mit großem Schmerze empfanden. Es mag von den rein Verstandesmäßigen unter uns das Vorhandensein dieses persönlichen Moments oder auch nur seine Berechtigung bestritten werden. Das ändert nichts an der Tatsache, an unserer Not. Wir sind in Deutschland aufgewachsen und haben nichts von einem Dualismus zwischen Deutschtum und Judentum gewußt. Der Antisemitismus war uns eine Erscheinungsform wie das Kastenwesen bestimmter Kreise im deutschen Volke. Unser Verbundensein mit deutscher Kultur, deutscher Landschaft, deutscher Sprache und deutschem Leben erschien uns ungleich wichtiger und schwerwiegender als dergleichen Auswüchse ungesitteter Menschen. Der Antisemit war uns nicht Typus. Als der Zionismus in unser Leben trat, war er vor allen Dingen ein Erlebnis. Ein Erlebnis, das uns mit einer ungeheuren Sehnsucht erfüllte. Wir •j Anmerkung der Redaktion: Ich bringe Hans Oppenheims Ausführungen, weil sie typisch für eine gewisse, nervöse Stimmung sind, die sich unschwer aus dem gegenwärtigen Wartezustand erklärt. Die Ereignisse der nächsten Wochen werden hoffentlich beweisen, daß Palästina auch für unsere Generation keine „Fata Morgana 4, sondern eine Aufgabe ist. F. L.