Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1920)
- Date
- 1920-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Katz* K, J. V. und Jugendbewegung Das Forum, auf dem sich bei ernster eifriger und hingebungsvoller Arbeit die Gegensätze und Uneinigkeiten des immer reicher werdenden zionistischen Lebens , auseinandersetzen, geweiht und verschönt durch das bundesbrüderliche Band der gemeinsamen Verantwortung für die Arbeit an unserer Sache. Und daß das K. J. V. heute schon, während es vor einem Jahr noch auseinanderzufallen drohte, von den anderen Organisationen als Rückhalt und Zentrum der Jugendbewegung anerkannt wird, beweist die Tatsache, daß die Plenarsitzung der vereinigten Präsidien sämtlicher Jugendorganisationen in Berlin, die etwa alle vier Wochen tagt, die Zusammenlegung des bisherigen Jugendsekretariats der Z. V. f. D. mit dem Jugendressort des K.J.V. beschlossen hat. Hiermit hat das K. J. V. eine große Verantwortung übernommen, die Verantwortung für die ganze Bewegung. Wir haben geglaubt, dies tun zu können und zu sollen, und haben die Möglichkeit ergriffen, der Jugend einheitlich ihren Weg zu weisen. Eine Reihe von Vorteilen ergeben sich aus dieser Zusammenlegung der beiden bisher getrennten Ressorts: Neben der Einheitlichkeit der Organisation, vor allem die Nutzbarmachung vieler Kräfte, Erziehungsmittel und Erfahrungen für die gesamte Bewegung. Ich will hier nicht im einzelnen das Arbeitsprogramm angeben und nicht die Fülle von Möglichkeiten und Verbesserungen, die durchzuführen wären, näher beleuchten; immerhin möchte ich die Richtung andeuten, in der unsere Hauptarbeit in nächster Zeit sich bewegen muß. Einmal gilt es, das gegenseitige Verständnis der einzelnen Jugendorganisationen untereinander zu erhöhen, den Partikularismus in seiner übertriebenen Form zu überwinden und der Jugend das Gefühl einzuimpfen, daß nicht ihr enger Bund Endziel jeglicher Hingabe sein darf, sondern daß auch er nur den Rahmen darstellt, durch den sie in unsere Jugendbewegung hineinragt, daß nicht ihr enger Bund die Gemeinschaft ist, in der sie dereinst in Erez Israel zu leben und zu wirken haben wird, sondern ihr Volk und daß diese ihre Volksgemeinschaft bereits im Galuth durch die Gemeinschaft der nationaljüdischen Jugend für sie verkörpert ist. Und zweitens wird es gelten, die Jugend der Organisation zuzuführen, diese durch sie zu beleben und vor allem der Jugend zu zeigen, daß für uns Politik die notwendige Ordnung unserer öffentlichen Beziehungen bedeutet, und daß diese zum Leben unseres Volkes und zur Entstehung unserer Heimstätte in irgend einer Form nötig ist. Wir Juden können uns den Luxus einer apolitischen Haltung, wie sie die freideutsche Jugend einnimmt, nicht leisten. Wir dürfen nicht die Werte des Lebens in uns und unserer engen Gemeinschaft allein suchend abseits stehen, in einem Augenblick, wo es die große Aufgabe unseres Volkes ist sich die Grundlage für normale öffentliche Beziehungen zu schaffen; dort sind Voraussetzungen vorhanden, die es für uns erst zu erringen gilt. Zionismus bedeutet, dem jüdischen Volke seinen „jüdischen Beziehungsreichtum" zu schaffen. Hierfür gilt es, unsere ganze Kraft einzusetzen, und zwar an der Stelle, wo das Interesse der Idee es verlangt. Es steht uns schlecht an, bei unserer zionistischen Betätigung immer zuerst an das, was uns genehm ist und an die Befriedigung unserer eigenen Bedürfnisse zu denken. Mag die junge Jugend triebhaft einzig