Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1920)
- Date
- 1920-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Katz, K. J. V. und Jugendbewegung 49 in Bewußtwerden und Nachdenklichkeit. Ein Suchen in sich und den Dingen „nach dem Sinn" erfüllt die Seele des Jünglings. Die große Sehnsucht packt ihn, das Verlangen, seinem Leben einen Inhalt zu finden. Mit offenen Armen lebt er, begierig, die große Liebe seines Jünglingtums zu umfassen: ganz Hingabe und ganz opferbereit, offen jeglicher Beeinflussung und Führung durch einen Menschen, der reifer als er, ihm seiner Liebe wert erscheint. Während die Mehrheit der heutigen Jugend, zum Teil schon auf der Schule, durch die Großstadt und ihre unvermeidlichen verderblichen Erscheinungen zu Oberflächlichkeit, Genußsucht und zum Verdienertum geführt wird, gibt es eine Jugend, die, sagen wir, das Glück hatte, andere Führer zu finden, die ihr die Unwahrhaftigkeit ihres bisherigen menschlichen Lebens und der Beziehungen der Menschen untereinander überhaupt aufdeckten und den Weg zu einem echten, inhaltsbewußten Leben in Reinheit zeigten. Und diese Jugend strebt unter Lösung aller äußeren Bindungen auf den Grund ihrer Lebens eindrücke zu gelangen und bemüht sich, allen Fragen ihres Seins, und so auch ihrem Judentum, in ernsthaftester Kritik gegenüberzutreten, in ehrlichem Suchen um restloses Erkennen zu ringen und die Ordnung der menschlichen Beziehungen einer Wertprüfung nach ihrem eigenen Maßstab der Echtheit und Wahrheit zu unterziehen, um im eigenen Urteil ablehnend, übernehmend oder neubildend Stellung zu nehmen. Das Bedeutsame dabei ist die selbständige Stellungnahme, die sich frei zu machen sucht vom Althergebrachten und Uniformierten und von dem, was man Sitte und Mode nennt, und nur aus sich heraus die Leitsätze und anzuerkennenden Bedingtheiten ihres Lebens zu schöpfen strebt. Eine solche Jugend ist imstande, das Letzte zu geben und zu leisten, wenn sie den Zwang dazu aus sich heraus spürt. Ihr sind die Bedingungen des alltäglichen Lebens bedeutungslos, und sie ist in ihrer jugendlichen Hemmungslosigkeit und Ungebundenheit zur Großtat fähig. Und darum ist eine solche Jugend für uns ein Glück, denn sie wird keine Arbeit, keine Forderung ablehnen, wenn man es versteht, diese Forderungen zu ihren eigenen zu machen, d. h. wenn man sie richtig führt. Und wenn z. B. in unserer Jugend das Moment des Ablehnens eine Zeitlang vorherrschte und sogar zum Selbstzweck zu werden schien, so daß man dabei Richtung und Ziel aus dem Auge verlor, so hat sie heute bereits erkannt, daß nur unser großes Ziel: Zion, der ewig befruchtende und erneuernde Leitstern unsere zionistische Jugendbewegung sein kann. Und wenn wir bedenken, wie groß, der Einfluß der wenigen wirklichen Führer in unserer Jugendbewegung ist„ so richten sich alle Klagen und Vorwürfe über Ausartungen, Uebertreibungen und ungesunde Regungen in unserer Jugend im Grunde nur gegen uns K. J. V.-er, die wir es verabsäumten oder nicht immer verstanden, den rechten Weg zu weisen, sondern nur allzu gern kritisierend abseits standen, ohne uns zu sagen, daß ein Recht zur Kritik und Anklage erst durch die eifrigste Mitarbeit an der Jugenderziehung*) erworben wird. Doch werfen wir einen Blick zurück auf die Entwicklung unserer zionistischen Jugend in Deutschland. Bis zum Jahre 1913 waren der B. J. C, das K. Z. V. und der H. C. die einzigen nationaljüdischen Jugendorganisationen *) Hier ist natürlich Jugendarbeit außerhalb der Verbindungen gemeint.