Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1920)
- Date
- 1920-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3537599-3537754-3537755--4848-3543012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Simon I, Der Kartelltag und das Kartell 47 für unzulänglich. Die heutige Lage «dies Zionismus fordert ebenso wie dlie innere Struktur des jüdischen iMenschen, das wir Intensität und. Extensität in der eben angedeuteten Weise zur Synthese »bringen. Oer tailso legt die doppelte Aufgabe jedes erazielnen K. J. V. -ers., hier aber auch liegt die KollektiVa'ufgabe des gesamten Kartells gegenüber der J u g e n d b e w e g u n ig und gegenüber d!em Zionismus. Dieser Pflichtenkreis wurde in Blumenf etds Referat über „K. J.V. und Jugendbewegung" erschöpfend behandelt. Seine Worte fanden eine nahezu etanültäge Aufnahme, was 'aber vielleicht daran liegt, <!aß sie nicht von allen in ihrer vollen Titfagweüte erfaßt worden sind. Nach der Feststellung, daß dies ein von uns bisher stark vernachlässaigtes Gebiet sei, machte;er Andeutungen über diie Notwendigkeit einer nicht nur grundsätzlichen, sondern eventuell auch organisatorischen Umstellung des Kartells. Schon (heute lassen sich dlie günstigen Folgen der im 1 tzten Kartelljahr erfolgten inneren Umstellung unserer Buhdesb rüder erkennen: die Blau- Wefflß-Krise d'st völlig überwunden, -die Blau-Weißen sind gute umd erfüllte K. J. V.-er, wie nur sonst jemand, und das gegenseitige Verständnis wächst von Tag zu Tag. Die umgekehrte Entwicklung bereitet sich -in der Turnersohaft vor, wohin bisher idas K. J. V. seine Bundesbrüder nur als innerlich unbeteiligte „Führer" Sin OfMersstellungen abkommandiert hat. Auch dort wachsen jetzt 'die einzielnen lK. J. V.^er -und — was wichtiger ist — ganze Verbindungen mit den Organisationen der Turnerscihait eng zusammen; wie wir hoffen, zu gegenseitiger Befruchtung. Döie Aufhebung des J. St.- und Konventsgeheimnisses mit Ausnahme gewissen Personadangelegenheiten, düe der K. T. beschlossen hat, gibt ia schon jetzt organisatorisch die IMögliohkeit zu einem viel engeren Zusammenarbeiten als bisher. * * * Eine Frage von i>esonderer Bedeutung muß noch behandelt werden. Es handelt sich um dlie Anträge, die von den Frankfurter Verbindungen bezüglich des Ausschlusses von Bundeäbrüdera im Falle einer (Mischehe gestellt wurden. Den Kartelltag hat ies (bekanntlich abgelehnt, derartig subtile Fragen organisatorisch und miechani'sch zu regeln; eine Rede (Blumenfelds zeigte uns die Schwierigkeit des Problems ün allen Schattierungen. So stimmte die überwiegende Mehrzahl der Delegierten einem Antrage Fromm zu, der über den 'Mischeheparagraphen mit der Motivation zur Tagesordnung überging, daß der K. T. mit dem Ziel d^s Frankfurter Antrags natürlich ganz einverstanden sei, die 'Mischehe auf das schärfste mißbillige, aoer eine mechanische Regelung ablehnen müsse. Ich für meine Person muß sagen, daß ich nach wie vor diesen. Beschluß bedaure. iNioht wegen der sachliche:! Gründe (gegen die Mischehe, dlie ia selbstverständlich simd und natürlich auch von allen Gegnern des Frankfurter Antrags geteilt werden. Sondern weil ich es für durchaus nötig halte, daß sich das Kartell gerade in die subtilsten Angelegenheiten seiner Mitglieder hineinmiisdht, weil ich glaube, daß 'es zu unserer zionistischen Staatsbüngerliohkeit gehört, das vertragen zu können. Das Kartell und wohl auch darüber hinaus »dte nationale Jugendbewegung überhaupt haben auf dem Gebiete des Sexuellen ein bedenkliches Vakuum ge-