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Der jüdische Student · 1920-02-01 · Heft 1 (Februar 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 1 (Februar 1920)
Date
1920-02-01
Page
[Seite] (sequence 46)
Language
German
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46 Simon I, Der Kartelltag und das Kartell Trotz der großen Wichtigkeit di'eser Fragen standen sie mit Recht nacht entfernt so dm Mittelpunkt der Beratung wie die Probleme der Erziehung. Das in seinem praktischen Teile ausgezeichnete Referat von Ernst ßuchholz brachte eine Fülle von Anregungen, zeigte aber a<uch gleiehzieitlig — ainid dües ist sehr viel seltener — >ddie reale Möglichkeit, diese Anregungen uns nutzbar zu machen. Während über den „Begriff der Erziehung" teilweise sehr unklar und verschwommen herumgeredet wurde (weniger von Buchholz als in der Diskussion), zeigte die Debatte über die eigentlichen Fragen des Unterrichts eine erfreuliche Uebereönstimmung. Trotzdem wir vom Endziel noch sehr weit entfernt sind, konnte doch festgestellt werden, daß heute im Kartell mit dem H e b r ä - äs cheai endlich ernst gtemacht w'iird. Was jahrzehntelang Forderung und Phras blieb, was seit wenigen Jahren Privileg der Auserlesenen und Wenigen war, das ist heute Gemeingut der Bundesbrüder: im K. J. V. wird ernsthaft hebräisch gelernt. So war der Beschluß, das hebräische Inaktivenexamen einzuführen, der noch vor einem Jahre Demonstration gewesen wäre, diesmal notwendiger Ausdruck einer fortschreitenden zionistischen Entwicklung. Liegt 'auch im Einzelnen noch vieles im Argen,. wdird besonders das Gebiet der Jüdischen Geschichte noch nicht überall sachgemäß betrieben, so dairf man doch Idüe Gewißheit haben, daß dies alles- — sekundär — vom gelebten Hebräisch befruchtet werden wird. Auf das Referat von Erich Fromm hier ausführlich einzugehen, fehlt Raum und Zeit Nur kurz sei angedeutet, daß er seine müsarach'istische Ueberzeugung dem Kartell gegenüber als die heutige Form des jüdischen L e b e n s r h y t h m u s, als die Bejahung des uralHüdüschen P r i nz i p s der Geastig keit hinzustellen versuchte. Die teilweise sehr geistrteüche Rede schien mir ebenso wie der Mehrheit des Kartelltags (trotz heftigen Beifalls) im wesentlichen verfehlt zu sein. Es ist wahrscheinlich,, daß Erich Fromm, der ja das Prinzip der E n tw i c kil u n g ausdrücklich bejaht, und der bei seiner merkwürdigen Mischung zwischen Gleichheit und Symbolik sich wohl kaum mehr Misrachist, geschweige denn Orthodoxer nennen darf, eines Tages von der starren U eberlief erung abrücken wird.. Er fordert ja selbst Aktivität, und es hätte ihn nicht nur unangenehm berühren, sondern auch bedenklich machen müssen, daß er sich mit seinen praktischen Forderungen im Bunde mit dem unbedingten Galuth-ßejaher Max Freundlich befand, der allerdings von durchaus anderen Motiven her zu denselben oder zu ähnlichen Ergebnissen wie Fromm kam.. An diesem Beispiel wird schon klar, worin der Hauptfaktor der allgemeinen Erzäehungisdebatte bestand: jeder vernichte nur für ihn gültige, nur von ihm erprobte Dinge als Forderungen für .die Gesamtheit aufzustellen. Blumenfeld, der diese Debatte ebenso wie den ganzen K. T. beherrschte, stellte dann in einer längeren, zusammenfassenden Rede unser Erziehungsziel noch einmal eindeutig fest: wir wollen den jüdischen; politischen Menschen heranbilden, der durch sein i n 21 e r e s Erfülltsein in der Lage ist, auf andere zu wirken. Wir lehnen es ab, Menschen zu erziehen, die nur Forderungen tan idiie Andersdenkenden, keine an sich steilen: Redner, Veneinsmeäereä, Propagandlisten alten Stils. Ebenso aber halten wir den Typ der sielbstgenügsamen, nur sich bereitenden, apolitiischerj Menschen

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