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Der jüdische Student · 1920-02-01 · Heft 1 (Februar 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 1 (Februar 1920)
Date
1920-02-01
Page
[Seite] (sequence 44)
Language
German
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44 Simon I, Der Kartelltag und das Kartell tom wahrhaften Gemeinschaftslebens; wir können die große Erziehbarkeit unserer Menschen feststellen. Aus -dem Beisammensein so vieler Bundesbrüder mußte aber auch denen, die etwa an ihrem Korporationsort trübere Erfahrungen gemacht hatten, durchaus klar werden, daß es einen starken und lebendigen K. J. V.-er Geist gd'bt, der stärker und lebendiger ist als die Summe aller Intensitäten der 1400 Einzelnen V. J. St-er. Wir werden durch unseren Bund gesteigert und nicht geschwächt, das Fruchtbare in uns wird potenziert, das Negative verringert. — dieses Gefühl gebar die Stimmung des Kartelltags, -die beim Begrüßungsabend und während der Verhandlungen, beim geselligen Zusammensein und bei Kornrnlssfronssitzungen immer gleich gut war. Bundesbrüderlichkeit, wirkte ganz stark und echt als das Wissen vom andern, daß auch er dasselbe in sich stärkt und liebt, dasselbe in sich bekämpft und haßt, wie man selbst, wie jeder, daß alle sich der Zielrichtung des Kartells unterwerfen. Aus dieser Stimmung heraus konnten dlite schärfsten geistigen Kämpfe ohne Erbitterung geführt werden, darum empfand man Kritik als Pflicht und als dankenswerte Hilfe, deshalb sah man trotz manchem Widerspruch bei Einzelheiten in Blumenf eld den Führer des Kartells. Der Walle unserer Gemeinschaft war überall und stets deutlich: verantwortliche Bürger des jüdliisdhen Volkes zu sein. Und weil dies so war, konnte alle Einzelarbeit fruchtbar werden, deshalb, und nur deshalb, war der Kartelitag gut. Natürlich gab es häufig Rückfkälle. Manchen Augenblick schien es, als ob unser Kartell doch noch im ersten oder zweiten Stadium der Massenbindung sich befinde. Der nie ganz vermeidliche Stunk, der diesmal a M e r d Ii n gs zeitlich und in seiner Wirkung eine verhältnismäßig sehr geringe Rolle spielte, bewies, daß es noch Bundesbrüder gibt, die eine radikale Entwicklung des Kartells zur letzten zionistischen Konsequenz nicht mitmachen können oder wollen. Diese Kreise, die sich um einen Teil der Alten Herren und Aktiven der V. J. St. Zephirah-Breslan und des V. J. St. Berlin gruppieren, wozu noch kleinere Gruppen in Frankfurt a. M. und Würzburg kommen, haben während und nach dem Kartelltag iiihren Austritt aus dem K. J. V. erklärt und sich zum Bunde Zionistischer Korporationen zusammengeschlossen. Wir halten diese Gründung für einen schweren Schaden der allgemeinen zi onus tischen Entwicklung in Deutschland und haben deswegen die betreffenden Bundesbrüder bis zulet t im Kartell zu halten versucht. Unmöglich war es aber, Kompromisse zu schließen, durch die unser Bund wieder aiif eine niedrigere Stufe der Gemeinschaftsentwicklung henabgedrückt werden würde. Deshalb mußte der Ri n g v or s ch La g scharf abgelehnt und alle Anträge, die den Ring ohne diesen N a m e n ins Kartell schmuggeln wollten, au£ das Vorsichtigste behandelt werden. So erfolgte auf dem K. T. die Austrittserklärung der Zephirah und der B.-V. Mittel- und Oberschlesien. Die Arbeit und die sachlichen Verhandlungen konnten durch diese Episode nur aufgehalten, nicht ernsthaft gestört werden. Wenn sich bei diesem Vorgange gezeigt hatte, daß gewisse Kreise noch auf der ersten Stufe der Gemeinschaftsbindung stehen geblieben sind und deshalb um Organisationsformen (-die sie „Lebemsformen" nennen), einen heftigen Kampf mit der Parole: „Selm oder Nichtsein" führen, so ereigneten

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