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Der jüdische Student · 1920-02-01 · Heft 1 (Februar 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 1 (Februar 1920)
Date
1920-02-01
Page
[Seite] (sequence 43)
Language
German
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Simon I, Der Kartelltag und das Kartell 43 Diese — sehr alte — Erkenntnis galt in noch höherem Gradt als iür den Einzelnen für jede Gemeinschaft von Meeschen, die rfcht nur Organisation ist, also für lede Bewegung. Bei reinen Zweckverbänden allerdings k a n n es vorkommen — obwohl es auch hier selten genug sein mag —, daß -ein Gesamtbild der dort vereinigten .»Masse" nichts ist als die Summe der Einzelcharakterie. Bei allen irgendwie innerlich fundierten Gemeinschaften wird es immer grundsätzlich anders sein. Schon ein ganz, kleiner Kr'eis von Menschen hat sein besonderes Gesicht, das sich natürlich aus dem geistig-seelischen Material seiner Mitglieder zusammenfügt, aber doch Ausdruck und Leben erst empfängt von -der irrationalen Möglichkeit, die Eigenschaften der Einzelnen zu verbinden So entsteht die- Richtung einer Gemeinschaft, dite in-ständiger Wechselwirkung gewisse Eigenschaften der Verbundenen stärkt, andere zurücktreten läßt. liier liegen die großen Aufgaben der Gemeinschaft für diu Erziehung, das heißt für -die Veränderung der Individuen, hierauf beruht die sonst unerklärliche Stoßkraft geistiger Bewegungen, hierauf die Mission der eng geschlossenen und z'ielerfüllten Minoritäten im politischen un^ sozialen Kampfe. Geht man nun von diesen Gesichtspunkten aus an die Wertung *iner Bewegung heran, so (erscheint wesentlich, welche Momente dem Bunde die Richtung geben. Werden irgend welche äußere Formen, die als S y m pt o m e ihre Berechtigung haben mögen, zu Ursachen der gemeinsamen Stimmung, erhalten bestimmte Requisiten — Bilder. Fahnen, Farben usf. — einen selbsttätigen Eigenwert, dann hat man die niedrigste Form der Massenbindung vor sich, -die mellst zugleich die am wenigsten dauerhafte ist. Auch hier gibt es gelegentlich große Impulshandlungen, aber ihre Wirkung ist nur selten segensreicher als die unüberlegte, wenn auch begeisterte Tat eines 'Berauschten. Mancher Krieg hat das gezeigt. Nicht viel besser liegt der Fall, wenn die Richtung der Menge durc.i eine überragende Einzelpersönlicihlkeiit bestimmt wird, die einen egoistischen Machtkampf führt, und dafür Statisten gebraucht. Bei .dieser Art „Massenpsychose" werden ebenfalls meist die schlechteren Eigenschaften gesteigert, die besseren geschwächt; und trotz alier . rleldenverehrung" sind sich schließlich die treuesten Anhänger darüber klar, daß die Gesamtheit letzten Endes Schaden litt. Wirkliche Bewegung erhält ihre Richtung -durch eine Idee. Da aber die wenigsten Menschen abstrakt denken, nach weniger wohl abstrakt fühlen können, spielt auch haier der Führer eine entscheidende RolJe: er faßt in seiner Person zusammen, was alles bewußt oder unbewußt vorschwebt, in ihm wird die Idee vor ihrer wirklichen Ausführung zur Wahrheit lemporgeläutert und gelebt. So nur — in großen Persönlichkeiten — kann auch den Zweiflern die Ausführbarkeit der Utopie täglich' neu bewiesen werden, und so — als «gleichzeitig lebendige und bereits -historische Macht — wirkt der Führer richtunggebend, zielsetzend: als Bei- Der Frankfurter Kartelltag hat von neuem den klaren Beweis erbracht:, 'daß unser K. J. V. echte Bewegung im soeben umschriebenen Sinne ist. Wiiir sehen ja alle täglich ün unseren Verbindungen das eine Symp-

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