Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1920)
- Date
- 1920-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Erich Hahn — Simon I, Der Kartelltag und das Karte1! Erich Hahn Am 17. Dezember 1919 ist Erich Hahn nach zehntägigem furchtbarem Kampfe «einer Lungenentzündung erlegen. Wir hatten bis zuletzt die Hoffnung auf Genesung nicht aufgegeben, biis wir vor der Leiche standen. Da kam uns erst dlie traurige Gewißheit, daß auch er da ist, von wo es kein Wiederkommen gibt, wohin ihm seine Freunde Hugo Deutsühmann und Bruno Berliner vorangegangen waren. Aber diese hat wenigstens ein ehrliches Stück Bisen getroffen; und all die Jahre ist man darauf gefaßt gewesen. Hier -aber ihat eiine tückische Krankheit unerwartet eine Lücke erweitert, -die sülch näe mehr schließen kann. Bin Toter mehr; das will dem großen Kreise der Bundesbrüder, zu dem wir nun geworden siind, nicht viel sagen, tarier, die in dem Toten einen treuen Freund verloren, die mit ihm die Hasmonaea liebten, haben mit ihm den letzten Rest -einer 'jugendfrohen und 'leichteren Vergangenheit zu Grabe getragen, — Der Schmerz über Deutschlands Zusammenbruch und quälende Zweifel über das künftige Schicksal unseres umstrittenen Judenlandes trübten sein Krankenlager,erfüllten seine Fieber phantasieen und haben die letzten Kräfte des Sterbenden verzehrt. Im Aufgang neuer Zeit steht unser Judentum immer noch wurzel- und bodenlos, innerlich und äußerlich. Wohl dem, der sich hemmungslos von den Werten der Umgebung lösen kann, dessen Kraft ungeschwächt drüben 'Wurzeln fassen und Bausteine unserer Zukunft setzen darf. Erich Hahn war eM aufrichtiger Zionist, aber er hat auch Deutschland «innig geliebt; will deshalb einer mit dem Toten rechten? W. Hohenstein Der Kartelltag und das Kartell Von Ernst 'S$m o n I, Ruder-V. J.-St., B e r 1 i n. Der nachfolgende Artikel trägt keinerlei offiziellen Charakier. Auf besonderen Wunsch des Verfassers hat die Redaktion von einer Streiphung der soziologischen Einleitung Abstand genommen F. L. In der Psychologie versagt die 'Methode der Addition. Jemand ist nicht «etwa dann ein sittlicher Mensch, wenn die Summe seiner guten Eigenschaften größer ist als die Summe seiner schlechten, sondern er erhält seine besondere Prägung erst durch dlile unberechenbare Art, dn der seine einzelnen „Tugenden" und „Fehler" miteinander im Zusammenhang stehen. Wir unterscheiden WissenschaftMeh — und wenn wir gut beraten sind: auch praktisch — nicht •zwischen (Engeln und Teufeln, sondern zwischen Sanguinikern und iCholieriikem, Melancholikern und Phlegmatikern usw. Das „Temperament", die Stufung der Affekte, sind wesentlich für die Beurteilung der Menschen \ die Art und Welse, wie die Einzelheiten gebunden werden, lenschieint ebenso wächtig, wie die Beschaffenheit der Eigenschaften, welche .dieser Bindung zugrunde liegen.