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Der jüdische Student · 1920-08-01 · Heft 4 (August 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 4 (August 1920)
Date
1920-08-01
Page
[Seite] (sequence 48)
Language
German
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276 Zionistische Berufsausbildung Der Bund zionistischer Ingenieure und Chemiker kümmert sich z.B. gar nicht um die Erfassung der heranreifenden Generation seines Faches. Vielleicht verfügt er nicht über die Menschen, die imstande wären, in dieser Beziehung kräftig wegweisend einzugreifen. Mich sollte es jedenfalls freuen, wenn ich in Reaktion auf diese Worte eines anderen beiehrt würde. Und trotzdem es z.B. heute für Chemiker feststeht, daß ihre Berufsaussichten in Palästina im ganzen keine schlechten sind, vorausgesetzt, daß sie sich in mehrjähriger Praxis in einer eingearbeiteten Industrie in der Diaspora die Qualifikation, die erforderlich ist, erwerben, so ist es mir doch nicht möglich gewesen mit einiger Sicherheit in Erfahrung zu bringen, welches nun eigentlich die Industrien sind, die als Ausbildungsstätte besonders geeignet wären. Man hört zwar das eine und das andere.es genügt aber nicht, um sich ein klares Bild zu schaffen. Und wenn es schon wahr ist, daß wir unsere Menschen durch die Idee des Zionismus so erfassen müssen, daß sie es als persönliche Notwendigkeit empfinden hinüberzugehen, so ist anderseits in Konsequenz dieser Erziehung erforderlich, soweit möglich, die sachlichen Voraussetzungen für die Befriedigung dieser so entstandenen Bedürfnisse zu schaffen. Ist auch immer 1 mit dem Hinübergehen ein Risiko verbunden, das der einzelne eingeht, und ist dieses und aus Gründen der Idee gut, so ist anderseits Aufgabe einer vernünftigen und verantwortlichen nationalen Organisation. ~die Unsicherheit aller öffentlichen Angelegenheiten und Pläne auf ein Minimum herabzudrücken. Und die Erziehung junger Zionisten zu Menschen die fest und klar in ihrem Weg sind, ist eine eminent öffentliche Angelegenheit. ich bin entweder gar nicht oder nur sehr unvollkommen darüber informiert, wie es mit der Organisation in den anderen Berufszweigen : bei Lehrern, Medizinern, Kaufleuten und den Berufen, die Bileski in seinem J. St.-Artikel im Auge hatte, steht. Jedenfalls müssen wir aus dem Stadium hinauskommen, in dem ein einziger von unverantwortlicher Hand geschriebener Artikel eine himmeihoehjauchzende Stimmimg für einen Beruf in eine zu Tode betrübte verwandelt und vice versa. Einige Hoffnung ist in dieser Hinsieht auf die» wie mir berichtet wurde, im Blau-Weiß piatzgreitende Neigung zu technischen Mitteiberufen (Monteure., Poliere; Chauffeure» Maschinisten, Schlosser. usw.) zu setzen. ' Hier wird wohl mit der Zeit eine leistungsfähige Organisation entstehen, die natürlich in engster Fühlung mit einem reorganisierten und verjüngten Bund zionistischer Ingenieure zusamenzuarbeiten hätte. Jedenfalls wird es aber die vornehmste „Außenarbeit'' des Präsidiums sein, und bei seiner Zusammensetzung wird zu überlegen sein, ob nicht ein „beruflicher Beirat" gebildet werden soll in dieser Richtung im Interesse aller Gebiete des bundesbrüderlichen Zusammenwirkens und Lebens die Initiative zu ergreifen.. Ist es doch eine bekannte Erscheinung, daß ein Bedürfnis, welches .nicht'rechtzeitig befriedigt. wird,. sich .mit verheerender, Unheil anrichtender Gewalt Bahn bricht. Sind doch schon auf. der Erstchargiertentagung vereinzelte Stimmen laut .-geworden.,, die eine berufsständische Gliederung des Kartells verlangten; So abwegig dieses ist (hier ist nicht der Ort über das Leben der Verbindungen zu sprechen), so bezeichnend ist es für die Intensität des Wunsches vieler Bundesbrüder ihren Beruf zionistisch zti regulieren. Hier wäre vielleicht endlich für diejenigen Alten Herren (o, darf man noch hoffen?) die in der bisher rein theoretisch*politischen deutschen Bewegung für sich keinen Platz fanden und Praktiker des Wirtschaftsiebens geworden sind, eine Gelegenheit, nachzuholen, was sie dem Zionismus schuldig siM Nicht in der Form allerdings, wie es in den Mitteilungen der A. IL B. zum Beispiel geschieht, daß offene Stellen für Ärzte und Rechtsanwälte ohne irgendwelche zionisösehe Gesichtspunkte annonciert werden. Selbstverständlich ist hier Zusammenarbeit mit Blau -Weiß und Herzäferner mit den jüdischen Arbeitsämtern und dem Paläsönaamt in ganz besonderem Ausmaß erforderlich.

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