Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 4 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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gp^ff^^ Neuerdings sollen die Ausländer auch eine eigene Kaminer, jedoch nur mit beratender Stimme, erhalten. Die Wahlen sollen in Berlin im Januar stattfinden. Wir denken einen K, J.Wer als; Listenführer der jüdischen Gruppe aufzustellen, um so die Sicherheit zu haben, daß nicht von den inländischen und den ausländischen Juden entgegengesetzte Politik betrieben wird. Es empfiehlt sich, daß an allen Hocbsehulorien — in Berlin ist es bereits der Fall — Beratungsstellen für Ostjuden eingerichtet werden, die /: mit der A.K.B, des K.J.V. dauernd in Verbindung bleiben. Die Zuständigkeit der studentischen Selbstverwaltungsorgane wachs; dauernd. Das mag für uns unbequeml sein, da bis jetzt die preisten dieser Org ane sich ausgesprochen' Juden feindlich betätigt haben. Es wird aber kaum möglich und ratsam sein, gegen den Strom anzukämpfen. Nur wo Gefahr vorliegt, daß sich die völkischen Studenten zum Richter in eigener Sache machen wollen, müssen wir nachdrücklich protestieren. Das ist z, B. der Fall, wenn die Studentenschaft bei der Zulassung der Ostjuden (inrer eigenen Konkurrenten) mitwirken wollen. Wo die Rechte sich auf die nackte Macht der Majorität stützt, ist ihr zu entgegnen, daß nach ihrer eigenen Behauptung das rein demokratische Prinzip ungerechtfertigt sei, und daß daher gerade sie verpflichtet sei die auf Grund des demokratischen Prinzips errungene Macht mit Selbstzucht und Achtung vor der höheren Macht der Gerechtigkeit, auszuüben. Mit dem jetzt abgetretenen Rektor der Berliner Universität, Eduard Meyer, sind wir in den wenigen Fällen, wo wir etwas mit ihm zu erledigen hatten, nicht schlecht ausgekommen. Das Preußische Kultusministerium steht nur nominell unter der Leitung des Sozialdemokraten Hähnisch. Die Räte stehen nach wie vor ajuf dem alten Standpunkt. Das einzige Mittel, um das Ministerium zu beeinflussen, wäre wahrscheinlich ein Druck durch die Voftsvertretungen, es ist aber kaum anzunehmen, daß diese gerade jetzt für die Ostjudenfrage Zeit übrig haben werden. So weit die Deutsehnationalen nicht ausgesprochen antisemitische Ziele verfolgen, haben wir.weder für noch gegen sie Stellung genommen, weder nach dem Kapp-Putseh, noch als jetzt ein Mitglied des Waffenrings studentische Gelder unterschlagen hatte . . Wir hielten es für einen Widerspruch mit den Grundideen des Zionismus, uns in fremde Parteipolitik einzumischen. Das gleiche Prinzip haben wir aus dem gleichen Grunde den Sozialisten gegenüber be; obachtet Selbstverständlich ergab sich für uns in vielen Einzelfragen ein Zusammengehen mit den Parteien der Linken. Im Finanzausschuß, im Arbeitsamt, in der Krankenkasse, im Turnausschuß und im Ehrenausschuß haben wir nicht mitgearbeitet, würden auch eine Mitarbeit ablehnen, weil wir für diese Fragen bereits in innerjüdischer Arbeit zu sehr in Anspruch genommen sind. Jedoch haben wir Wert darauf gelegt daß in jedem Ausschuß nach Möglichkeit ein K.C.er war, um bei etwaigen antisemitischen