Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 4 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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184 . £)Ie Beruf svorbereitung für Palästina Wünschen gemäß ist, daß sie sich nur ihm und keinem anderen in entsprechender Weise hingeben können, in ihrem Interesse und im Interesse des Volkes. Für die Generation von Medizinern, die jetzt in der Ausbildung ist, oder sie kurz hinter sich hat, halte ich keinerlei allgemeine oder besondere Ausbildung auf Palästina hin für zweckentsprechend. Die wenigen Steilen in Bakteriologie, Parasitenkunde, Hygiene sprechen für die große Masse der Mediziner garnicht mit, wenn sie sich "nicht entschließen, die anstrengenden Koloniearztstellen zu besetzen oder in die arabischen, fast fudenfreien Gegenden zu gehen** Die Umstände, die für und wider eine Tätigkeit inmitten ausschließlich oder vorwiegend arabischer Bevölkerung sprechen, brauche ich nicht noch besonders zu spezifizieren,'wobei ich noch betonen möchte, daß gerade - diese Frage nur von jedem persönlich entschieden werden kann, aber 'auch .der Koloniearzi setzt eine ganz besondere,, dafür geeignete' und widerstandsfähige Kraft voraus, und was das noch schwerer wiegende ist, diese Stellen werden bei dem Zustrom von Acrzten trotz aller damit verbundenen Schwierigkeiten bald besetzt sein, Wenn wir nun zusammenfassen, so können wir wohl sagen, daß, obschon es einem Teil gelingen dürfte, hier oder da unterzukommen, für die große Masse der Mediziner ein Aus weg/noeb-nicht gegeben ist * r- Da will ich "denn einen weiteren Vorschlag machen, wie unsere Berufsgenossen sich ihre schwierige Lage erleichtern, wenn auch nicht aus der Welt schaffen können; ein Vorschlag, den ich an mir persönlich praktisch erprobt habe, nicht nur aus Erkenntnis des Notstandes, sondern eigenen Trieben folgend. Wir können nicht nur Mediziner sein, sondern müssen noch einen Nebenberuf haben, damit wir mir'ein kleineres ärztliches Tätigkeitsfeld brauchen und dabei doch in gleicher Weise bestehen können. Welchem Nebenberuf wir uns zuwenden, das ergibt persönliche Eignung, nur müssen beide sich nicht ausschließen, aber das werden fachmännische Erwägungen zu entscheiden wissen. Die allgemein biologische Vorbildung wird dem Mediziner von vornherein, z. B* ein Verständnis für das Werden der Pflanzen- und Tierwelt gegeben haben und dem, der" es lernen will, ermöglichen, nebenher tätig zu sein, sei es als Gartenwirt oder als Samen bau er oder Züchter hochwertiger reinrassiger Tiere usw. Wie weit Handwerke, kunstgewerbliche Berufe in Betracht s kommen, kann ich nicht entscheiden, da ich auf diesen Gebieten nicht die genügende Erfahrung habe, aber ich halte auch hierin Kombinationen für möglich. Der Ausbildungsgang wäre am zweckmäßigsten so, daß man sich nach dem Physikum dem gewählten Nebenberuf widmet, zunächst vielleicht bis «4 Jahr, was einem Semester mitsamt den Ferien entspräche, eine Zeit» die Militärtaugliche früher ja leider einer weniger sinnvollen Beschäftigung widmen mußten. Eine weitere nebenberufliche Tätigkeit würde aus Gründen, die ich nicht weiter ausführen will, am angebrachtesten sein nach dem Staatsexamen vor dem praktischen Jahr, wenn die alten Bestimmungen bestehen bleiben, um dann in Ruhe gelassen zu werden, bis die völlige Ausbildung im ärztlichen Beruf beendet ist Meine Vorschläge können und* müssen von j^dem in seiner Art und nach den jeweiligen Verhältnissen modifiziert werden! Ich bin aber davon überzeugt, daß sie sich bei gutem Willen in der cinen-^5der anderen Form durchführen lassen, und daß ihre Durchführung einem großen Teil unserer Berufsgenossen helfen wird, am Aufbau unseres Vqlkes teilzunehmen. So weit es in mein Fach, das iMdWirtschaftlich-gärtnerische, schlägt» will ich daran interessierte Bundesbrüder nach Möglichkeit beraten. ■ e) Jlgrikulttii» Von Ludwig P i n n e r , Feuerbach bei Stuttgart Es hat lange gedauert, bis der Gedanke der persönlichen Uebersiedhing nach Palästina von unseren Menschen soweit Besitz ergriffen hatte, daß sie anfingen, auch ihren Alltag, ihren Beruf hierauf einzustellen, und selbst beute noch verhindern die unklaren Vorstellungen, die sich viele von den