Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 4 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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1S5 Erfordernissen Palästinas machen, manchen an der für ihn und die Sache richtigen Entscheidung. So kommt es, daß der Mangel an vorgebildeten Menschen in den näehsteojahren wohl der stärkste Hemmschuh der Kolonisation sein -wird. ■, ■ ^N*^ ' Was den wichtigsten Beruf, den des Landwirts und Gärtners, anlangt, so ist es da durch den Einfluß des Blau-Weiß seit kurzer Zeit besser geworden* Es muß als ein Glück bezeichnet werden, daß die Strömungen in der deutschen Jugendbewegung, den zionistischen Bedürfnissen entgegengekommen sind* Immerhin bleibt auch hier noch sehr viel zu wünschen, was die Zweckmäßigkeit der Einzelausbildung betrifft Auf diese Frage, der die zionistische Organisation bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt hat, soH hier nicht näher eingegangen werden. •, Wie steht es aber'mit den akademischen Berufen? Den. meisten gilt als feststehend, daß wir viel mehr zionistische,Akademiker haben als in Palästina gebraucht werden. Daß dies nicht allgemein zutrifft, zeigt bereits der oft beklagte Mangel an Lehrern. Aber auch in anderen akademischen Benifen werden wir Mangel haben. Ich will hier nur auf -die Bedürfnisse der Landwirtschaft 'hinweisen. Unsere aussichtsreichsten Koionisationspläne basieren auf der Möglichkeit der Bewässerung* Die hierfür in Betracht kommende Fläche wird auf etwa 300 000 ha geschätzt, große Strecken davon müssen erst entwässert werden* Wir brauchen also eine ganze Anzahl von Kultur in gen euren; bisher ist mir nur ein Bundesländer bekannt, der diesen Beruf ergriffen hätte. -Die Möglichkeit, diesen Beruf zu wählen, besteht auch für äitere Studierende der Ingenieurwissenschaften oder jiftige Diplomingenieure, die sich in verhältnismäßig kurzer Zeit in dem genannten Spezialfach ausbilden könnten. Aufs engste mif "der Tätigkeit des Kulturingemete/s verknüpft ist die des Vermessungs in genitur s. lieber die Aufgaben des Vermessungswesens in Palästina unterrichtet die unlängst vom Verband jüdischer Ingenieure für den technischen Aufbau Palästinas herausgegebene Schrift Joseph Treidels, des seit langem in Haifa tätigen Vermessungs- und Kultur- Ingenieurs,... Die etwa auftauchende Befürchtung, daß die Kleinheit Palästinas Kulturingenieuren nur beschränkte Zeit Arbeitsmöglichkeiten verspreche, ist unbegründet; die Kujturmaßnahmen werden sich über Jahrzehnte erstrecken. Zudem bietet die Erschiiefkmg der Palästina benachbarten Länder dem Kuituringenieur gewaltige Möglichkeiten, Ferner erscheint "es mir wichtig, unsere Maschinenbau in gej n lettre darauf hinzuweisen, daß eine gründliche Spedalisierung bereits vor der Ucbersiedeiung nach Palästina erfolgen mutk Besonders kommen In Betracht: landwirtschaftliche Maschinen und Geräte jeder Art, vor allem auch für den Kleinkind wirt und Gärtner, Molkereimasehinen, die maschinelle Einrichtung von Marmeladen- und Konservettfabrifcjpir, Oelpressen sowie die gesamte Industrie, die sich mit der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte befaßt. In Palästina besteht die Möglichkeit" zu einer Speziahvcäterbildung nicht; wie wichtig diese ist, hat für den ärztlichen'Beruf Zlocisti bereits mehrfach betont. Die Aussichten des bewässerten Acker- und Gartenbaues im palästinensischen Klima sind ungeheure. Ebenso günstig sind aber auch die Lebensbedingungen für Pflanzenschädlinge, die den Anbau ganzer Kulturen in Frage stellen können. Die Gefahren sind besonders groß, wenn die davon Betroffenen KleinsiedSer ohne Kapitafsreserven sind. Es wird also notwendig sein, Vorkehrungen zu treffen, die sogar das Maß des bei der europäischen Landwirtschaft Üebhchen überschreiten. Wir werden also Entomalogen und Pflanzenpathotogen brauchen. Mir scheint, daß hier die Möglichkeit besteht, daß Mediziner mit botanischem und zoologischem Interesse evtl, nach dem Physikum ein derartiges Spezialstudium erwählen» Freilich wird das Land nur eine beschrankte Zahl derartiger Forscher beschäftigen, aber ■die,braucht es eben und zwar-bäkl. .' ■ .