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Der jüdische Student · 1920-08-01 · Heft 4 (August 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 4 (August 1920)
Date
1920-08-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Weißmanm Praktische Vorschläge 175 meinschaft besteuern lassen wollten, fanden noch stets Mittel und Wege, um sich nutzbar zu machen, fanden noch stets Möglichkeiten, von ihrem Selbst etwas Wesentliches zu opfern. Wennr-solche Menschen sich nach kürzerer oder längerer Arbeitszeit wieder zi^ro^kzogen und in Untätigkeit zurücksanken, so liegt der Grund dafür nicht in der Geringfügigkeit ihres „Opfers", sondern in den meisten Fällen in der hemmenden Untätigkeit und den? lähmenden Wtüensmangel der großen Mehrzahl der. K. j. V.-cr und der Zinnisten überhaupt oder in andern Fähen im Individualismus der beireffenden Bundesbruder. Wobei ich „Individualismus" nicht gerade im schlechten Sinn — als Egozentrischkeitverstanden wissen mochte: der betreffende Bundesbruder will sich entweder erst die Fähigkeiten und Kenntnisse erarbeiten, die er braucht, um die von ihm gewollte — nicht die ihm abgeforderte! — Arbeit voll und ganz leisten zu können» oder er hält den Arbeitsplan, in den er einzustellen wäre, für unzureichend, macht sich, da er ein geistvoller Mensch ist, einen neuen zurecht, den er für den einzig richtigen" hält, und behauptet, nur diesen verfolgen zu können; so wird die an sich durchaus wertvolle Arbeit beider Typen an sich seihst für die jüdische Gemeinschaft in den meisten Fällen wertlos. Dies soll kein Urteil* noch weniger eine Verurteilung dieser im übrigen als Zionisten und K. J. V.-er vielfach wundervollen Menschen sein* sondern eine bloße Konstatierung, Eine Konstatierang, mit der aber zu rechnen ist, nicht obwohl* sondern weil es eine4 nicht m bekämpfende Tatsache ist, die lediglich aus der Psyche der jugendlichen Menschen resultiert. * Also all dieser Menschen wegen brauchen wir keine Dienstpflicht im formellen Sinn, vielmehr all derer wegen, die geführt sein wollen und geführt werden müssen, entweder weil sie egozentrisch (Individualisten im schlechten Sinn) sind oder Menschen, mit gewissen Hemmungen in ihrer Entschlußkraft, ihrer Gedankenbildung oder ihrem Charakter. Diese Menschen sind uns nicht wertlos, ja, sie können sogar noch sehr wertvolle Mit-, z. T. sogar Vorarbeiter werden, wenn man sie dazu erzieht Aber die mechanische Eingliederung in eine starr militaristische Arbeitsorganisation ist nicht das geeignete Erziehungsmstitut für derartige Leute. Man muß sie erst soweit bringen, daß sie diese Eingliederung als natürliche Folge ihrer eigenen Entwicklung im Kartell erkennen lernen. Man sage nicht, daß man dann nie zum Diensthaibjahr komme, weil man in jedem Semester von neuem zu erziehen beginnen müsse; wären die Widerstände gegen fruchtbare Ueber- Weisungsarbeit mit den zur Verfügung stehenden Zwangsmitteln (Ehrenrat, Dimittienmg u, dgL) verfolgt worden, wir wären schon heute ein gut Stück weiter» Sobald die aktiven Burschen — denn. diese sind stets Maßstab und tonangebend . — im ganzen (nicht nur die Wortführer auf den Konventen) *ich jederzeit und ohne Widerwillen für Arbeiten aller Art zur Verfügung, halten, wird auch nur noch so gekeilt werden, daß allein diejenigen Leute rezipiert werden, die den Willen mitbringen, dem Kartell, dem Zionismus etwas zu geben, und sich derart beeinflussen zu lassen* daß sie als Arbeitskraft an "dem und jenem Punkte verwertet werden können. Bisher aber hat man im allgemeinen jeden rezipiert, von dem man glaubte, daß er ein tüchtiger ltandcsbruder werden würde in dem Sinn, daß" er sich vom Kartell, v o m Zionismus gern etwas geben 1 i e ß e. Daß er den ehrlichen Willen mitbringt, ein tüchtiger Arbeiter zu werden im großen zionistischen Getriebe, in gewissem Grade Produfcüonst'akior, Arbeits tn a t e r i a 1 in den Händen einer Leitung zu werden, die, Forderung eines solchen Seibstsntaußerungswitlens wurde nicht aufgestellt Dienstpflicht aber — wie auch bereits Ucberweisung — fordert Selbst entänSerung. Ucbenveisung fordert übermdividuaisstische Gemeinschaftsaurfassung, Dienstpflicht dagegen bereits bürokratische Subordination. An solcher SelBstentäuBerung aber mangelte es bis zinn heutigen Tage noch viel zu sehr. Sobald wir soweit sind, daß bei Neuaufnahmen nur noch in der oben aufgezeigten Weise (auf den subjektiven Willen zur eigenen Tat, nicht das Bekenntnis zum Zionismus kommt es an). verfahren wird, kann die formelle Dienstpflicht verwirklicht werden und wird Erfolg haben, da dann die bürokratische Subordination nur mehr

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