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Der jüdische Student · 1920-08-01 · Heft 4 (August 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 4 (August 1920)
Date
1920-08-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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166 Zur Kaiie!i-Lag$ Mehrzahl der Verbindungen jedoch ist völlig apathisch, und autoritätlose Chargierte versuchen mit mehr oder minder großem Erfolge eine Schar von disziplinlosen und eigenbrödlerischeri Aktiven zu formlosen, meist wenig erfreulichen Veranstaltungen heranzuziehen. Das Präsidium steht der wachsenden Auflösung ratlos und im allgemeinen auch tatlos gegenüber. Die anfängliche Ärbeitsfreudigkeit ist an der Summe der Mißerfolge gescheitert,, das mangelnde organisatorische Verständnis der Korporationsbeamten macht einen lebendigen Zusammenhang zwischen den Organisationen und der Leitung des Kartells zur Unmöglichkeit. Hierzu kommt noch das Fehlen einer überragenden, wirklich führenden Persönlichkeit im Präsidium, die — wie Blumenfeld im vergangenen Kartelljahr — durch direkte Einwirkung die immer wieder auftretenden Risse verkitten könnte. Die Folge! hiervon ist Arbeitsunlust im Präsidium, die in einem mangelhaften Besuch der Präsidiumssitzungen bereits äußerlich erkennbar wird, | Zu aUedem kommen noch die drückenden Finanzsorgen des Kartells. Der auf dem letzten Kartelltage aufgestellte Etat konnte auch nicht annähernd eingehalten werden. Die wachsende Teuerung ließ die Kosten der Organisation in ungeahnter Weise in die Höhe schnellen. Die Aufbringung der notwendigen Mittel aber wurde zur Unmöglichkeit, da die älteren und kapitalkräftigeren Bundesbrüder zu der Kartelljugend jede Beziehung und damit auch die wünschenswerte Oebefreudigkeit verloren haben. So wurde es notwendig, den j. St, das wesentlichste Bindemittel des Kartells, in immer größeren Abständen erscheinen zu lassen und auch sonst die Organisation aus Ersparnisgründen aufs äußerste einzuschränken. Bezeichnend für den Zustand des Kartells ist es, daß das Ausbleiben des j. St. kaum noch als Mangel empfunden wird. War früher der j. St. das Sprachrohr des Kartells und der Ort leidenschaftlicher Diskussionen, so konnten jetzt nicht einmal die Ereignisse von San Remo und der aus ihnen geborene Oedanke der Dienstpflicht zu einer bewegten Aussprache anregen. Die vereinzelten Aeußerungen zu diesem Thema sind den Autoren von der Redaktion zumeist mit List oder Gewalt abgelockt. Die Ursachen, die zu der Stagnation und der Auflösung geführt haben, sind wiederholt beleuchtet worden. Wir wissen heute, daß eine ganze Reihe von Komponenten zusammengewirkt haben. Unter ihnen bleibt die wesentlichste das durch den Krieg verursachte Abreißen unserer Tradition und der Verlust führender Menschen, die die notwendige Entwicklung in gesunde Bahnen hätten lenken können. Es würde unmöglich, eine Reihe von Generationen nach den Grundsätzen der Vorkriegszeit zu erziehen und so verloren sie neben dem persönlichen Zusammen-

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