Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 4 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur KaH®il»JLag© . Es wäre falsch, zu konstatieren, daß das Kartell sich in einer Krise befinde, Eine Krise ist der Höhepunkt eines Krankheitszustandes, eine kurze Zeitspanne, In der es sich entscheidet, "ob dit Genesung, oder der Tod eintreten wird. Der Krankheitszustand des Karteiis aber ist ein chronischer geworden. Von ' Semester zii Semester werden neue Diagnosen zur Erklärung der unerfreulichen Zustände aufgestellt, die innere Zermürbung unseres Bundes zeitigt immer neue Erscheinungsformen. Von dem letzten t Kartelltag* der zu einer Spaltung führte, erhoffte man die Wirkung eines operativen Eingriffes, man erwartete, daß (der zurückbleibende Teil gefestigt und in seinen Arbeits- _ mögliciikeiten gestärkt, zu einer Erreichung der gesteckten Ziele in der Lage sein werde, Diese Hoffnungen haben sich jedoch ,' nicht erfüllt: Die Opposition ist zwar leiser geworden, an ihre Stelle ist Jedoch in wachsendem Maße eine Resignation und Teiinahmlosigkett* eine Abfindung mit dem Oedanken an die Unabänderlichkeit der unerfreulichen Zustande getreten* Es kann heute nicht mehr verheimlicht werden, daß eine 'Einheitlichkeit des Kartells, eine innere Geschlossenheit des Bundes* nicht 'mehr vorhanden ist. Eine einheitliche Erziehungsarbeit nach klar erkennbaren Orund* ' Sätzen zu bestimmten Zielen findet nicht statt. Die Stellung zu so grundlegenden Fragen des Kartells wie z. B. zur Werbearbeit ist' trotz eindeutiger Kartelltagsresolutionen eine völlig verschiedene, Einzelne Korporationen leisten die Werbe* und Er-, zietiufigsarbeit nahezu noch Im Stile 'der Vorkriegszeit,, andere ' haben, sich die Formen1 des Bfau-WeiB zu eigen gemacht,' wieder andere stehen unter dem Einfluß sozialistischer Gedankengänge ■ und' versuchen ihre Verwirklichung , im, Verbindungsleben, Die