Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 4 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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167 hang zu den Menschen auch den verstandesmäßigen zu den Einrichtungen des Kartells. Die menschliche Einheitlichkeit unseres Bundes, die die Bundesbrüder der ganzen zionistischen Welt gegenüber zusammenschweißte, ging infolge der auseinanderstrebenden Entwicklung der führenden Köpfe in den Kriegs- und Nachknegsgeneraüonen verloren. Im Gegensatz zu der heutigen Auffassung ist im alten Kartell eine Uebereinstirnmung nicht nur über das zionistische Erziehungsziel! sondern auch über die Wege vorhanden gewesen, die zu diesem Ziele führen sollten- Die frühere Erziehungsarbeit stand im Zeichen der Disziplin und der Uniformierung, Zionismus erschien afs der selbstverständliche Ausfluß einer anständigen, aufrechten .Mannesgesinnung und so suchte man die Kartelijugend nach einheitlichen Grundsätzen ■ zu wahrhaftigen, freien und zuverlässigen Männern zu erziehen. Man scheute sich dabei nicht, einen gewissen Schematismus walten zu lassen: man unterdrückte bewußt die Individualität und verlangte von Jedem einzelnen ohne Berücksichtigung seiner Anlagen restlose Einordnung in das Leben und völlige Unterwerfung unter die Gesetze der Allgemeinheit. Der Einzelne mußte Dinge tun und Anprdnungen befolgen,, die ihm auf Grund der eigenen verstandesrnäßigen Erwägung unannehmbar er-1 schienen. Durch eine selbstgewähite Disziplin und durch freiwillige Unterordnung überwand man die als Gaiuthgeist ver-Ä urteilte individualistische Eigenbrödelei; und in bewußter Beschränkung suchte man sich auf das zionistische Ziel zu konzentrieren. Es wäre töricht und liegt mir fem, die Erziehungsarbeit früherer Generationen als restlos erfolgreich zu bezeichnen* Es ist unableugbar, daß die alten Bundesbrüder zu einem großen Teil von den Anforderungen des. täglichen Lebens so verzehrt worden sind, daß sie heute der zionistischen Bewegung nur einen Bruchteil ihrer Kraft widmen. Ich glaube aber, daß diese Menschen, wenn ihnen seinerzeit die Wege einer zionistischen Betätigung und einer Vereinheitlichung zionistischer und beruflicher Notwendigkeit mit Deutlichkeit gewiesen worden wären, die menschlichen Qualitäten zu einer Erfüllung der gestellten Aufgaben mitgebracht hätten. Sie besaßen diejenigen staatsbürgerlichen Eigenschaften, deren Fehlen bereits heute die Palästinakolonisation aufs schwerste schädigt, und waren imstande, die ihnen übertragenen Pflichten in zuverlässiger Weise zu erfüllen. Demgegenüber verfügt unsere heutige Jugend ( zwar über größere Kenntnisse der hebräischen Sprache und zuweilen auch über eine klarere Vorstellung des persönlichen zionistischen Weges* unsere' zweihundert Praktikanten in landwirtschaftlichen Betrieben werden' aber ihre Aufgabe* ein Ferment der palästinensischen Kolonisation zu bilden, nur dann, wahrhaft erfüllen können,