Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 4 (13.10.1915)
- Date
- 1915-10-13
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Der Jüdische Student , , . \ / oder abtrünnig. Um so mehr spricht es für Carl Beifus, daß die Selbständigkeit seines Denkens und die Stärke seiner jüdischen Instinkte ihn zu uns geführt hat Im V. J. St. galt er bald als einer der begabtesten und hoffnungsvollsten^unter den jüngeren Bundesbrüdern, Seiner organisatorischen Begabung verdankte er bafd leitende Steilen« Auf dem Königsberger K. T. vertrat er den V.J. St München und erwarb sich durch sein zielbewußtes Auftreten allgemeine Achtung und Sympathie. Br liebte den V.J. St, wie eine andere] Heimat. In Bonn war einer seiner Lieblingsgedanken -der Erwerb eines Verbindungshauses, das zum Mittelpunkt des Korporationslebens werden und das von vielen entbehrte jüdische Milieu ersetzen sollte. Für diesen Gedanken arbeitetete er rastlos und bedauerte, als er — als einer der ersten Freiwilligen — ins Feld rückte nichts mehr, als daß er ihn noch nicht zur Verwirklichung hatte bringen können. Noch wenige Tage vor seinem|Tode setzte er den Bonner Bundesbrüdern in einem langen Brief seine Ansichten über zukünftige V. J. St-Arbeit in Bonn programmatisch auseinander. Carl Beifus war ein lieber Gesell. Einem herzhaften Umtrunk nie abgeneigt, freute er sich seiner Jugend an manchem schönen Sommerabend bei Wein und Gesang an den Ufern des Rheins. Er hing sehr am Leben, von dem er für sich und seine Ziele noch viel erhoffte. Aus dem Feld schrieb er manche be- •m dächtige, aber auch manche übermütige Zeile und in frohester Stimmung war er mit Kameraden vereint, als ein jähes Feindesgeschoß ihn uns für immer entriß. Robert G i d i o n Luitpold Bakon Mit Luitpold Bakon verliert der V.J.St Berlin seinen besten Aktiven. Ein tiefer Ernst und eine strenge Auffassung seiner Pflichten zeichneten ihn aus. Doch im Kreise guter Freunde war dieser ernst und nachdenklich veranlagte Mensch einer der Lebenslustigsten, fühlte sich nirgends wohler als auf schönen Kneipen, Dabei war er ein Feind jeder Oberflächlichkeit, erkannte seine Fehler und Schwächen sehr gut und war äußerst straff in deren Niederkämpfung. Seine Freude am Ruder- und Wandersport entsprang seiner Liebe zur Natur und nichts