Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 3 (12.8.1915)
- Date
- 1915-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Der jüdische Student sonders schwierige und gefährliche Aufgabe handelte. Er fand auch die ihm gebührende Anerkennung. Als einziger der Kriegsfreiwilligen wurde er im März wegen hervorragender Tapferkeit zum Unteroffizier befördert Jetzt auf das Krankenlager brachte ihm sein Hauptmann die Beförderung zum Vizewachtmeister, uberreichte ihm, um einen Blumenstrauss geschlungen, sein eigenes Portepee und sprach die Hoffnung aus, bald wieder gemeinsam — sie hätten ja jetzt dieselbe Waffe — den Russen zu Leibe gehen zu können. Das mordende Schrapnell traf ihn, als er ungedeckt in der Feuerstellung vom Telephon aus Befehle weitergab, trotzdem er krank war und eigentlich keinen Dienst tun sollte. Rührend war es, wie er dann, schwer verwundet, mir für jede Handreichung dankte, wie geduldig er alles ertrug, wie mannhaft er alle Schmerzen ableugnete. Er starb als Mann. Daß er es geworden ist, daß er es werden konnte, verdankt er seinem Judentum, seinem Zionismus, der ihn bis in das Tiefste seines Wesens erfüllte, dem Zionismus, der ihm, dem literarisch und ästhetisch interessierten und begabten jungen, der sich mehr oder minder bewußt in den Mittelpunkt stellte, erst die Grundlage gab, auf der sich seine Persönlichkeit entwickeln konnte. Der ihn lehrte, sich nur als Glied einer Kette zu betrachten^;als Teilchen der Gesamtheit, von deren Wohl und Wehe abhängig, der es ihm ermöglichte, mit Leib und Seele, ganzem Herzen und ganzem Vermögen sich für andere hinzugeben, der ihm die Einheitlichkeit des Denkens und Fühlens, die instinktmäßige Sicherheit des Handelns gab, die uns bisher gefehlt hat Der Krieg wurde ihm irr tieferem Sinne zur Erfüllung seines Wesens. Er starb, sich selbst getreu, seinen und unsern Idealen. Sein Tod macht ihn uns zum leuchtenden Vorbild. — Er liegt hier im Soldatengrab; er hatte ein würdiges, erhebendes Soldatenbegräbnis» Ich schicke Euch nächstens ein Bild. Mit bundesbrüderlichen Grüßen Euer Fritz Nothmann