Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 3 (12.8.1915)
- Date
- 1915-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student Perthes, den 24. Mai 1915 Es ist leider ein trauriger Anlaß, der mich dazu treibt, Euch zu schreiben. Es soll kein Nachruf für Meyer sein, den möchte ich einem Berufeneren überlassen. Aber ich möchte etwas von dem Kriegsfreiwilligen L F. Meyer erzählen, mit dem ich zwei Monate zusammen war. Gemeinsam haben wir uns durch die Zweifel eines kriegsfreiwilligen Zionisten durchgekämpft. Zerrissener war se ne Persönlichkeit, wie mir zuerst schien, jüdischer, wie ich nachher empfand; ihn quälte der Zwiespalt zwischen seinen jüdischen und seinen deutschen Pflichten. Schwer lag der Schwur auf ihm, der sein ganzes Leben mit Gut und Blut an Deutschland knüpfen sollte. Er hatte sogar vor, den Fahneneid zu verweigern; aber er wußte auch, daß es unnütz wäre und ihn niemand verstehen würde. Für ihn war es keine Forme! und sein Leben forderte Palästina. Neid und Bewunderung; empfand er jür Deutschland, das seiner großen Stunde würdig war. Würde es auch bei der jüdischen Nation so sein? Das Garnisonleben behagte ihm nicht. Ihn dürstete nach einem Erlebnis. Er wollte den Krieg erleben. Er hoffte, daß starke, gefestigte Juden aus dem Kriege hervorgehen würden, die gelernt hätten, sich ganz einer Sache, ganz ihrem Volke zu widmen. Aber schmerzhaft, sehr schmerzhaft war ihm die Zerrissenheit des jüdischen Volkes. Kämpften doch Juden auf allen Fronten. Was würdest Du tun, fragte er mich, wenn Du auf Posten stündest und es käme ein Feind herangeschlichen, ein Jude, ein Zionist? Du könntest doch nicht auf ihn schießen! Als er als Grenzschutz^ im Osten lag, zeigten die Juden des russischen Städtchens mit Fingern auf ihn: „Seht da den Meyer, ä jüd, ä Zionist; ja sogar ä Freiwilliger." Die armen gebeugten Juden des Ostens richteten sich an seiner geschlossenen jüdischen Persönlichkeit aui Sie sahen mit Staunen, «linen aufrechten Juden, einen freien, freiwilligen, keinen geknechteten* Sprach er einmal von etwas Anderem als dem jüdischen Volke und seiner Zukunft, so war es vom V. J. St. und seiner Aufgabe, Erzieher und Führer des jüdischen Volkes zu erziehen*