Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 3 (12.8.1915)
- Date
- 1915-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 81 Ludwig Franz Meyer Zwei Briefe R., den 3. 5. 15 Ich muß Euch die traurige Mitteilung machen, daß unser lieber Ludwig Franz Meyer vorgestern Nacht mit einem Lungenschuß hier,bei uns eingeliefert und heutejiiorgen um 4 Uhr seiner Verwundung erlegen Ist. Wir hatten gehofft, ihn durchzubekommen; doch sein von vornherein nicht ganz intaktes Herz , versagte ganz plötzlich Bevor ich aus dem Nebenzimmer, aus dem mich der Wärter nef, herbeikommen konnte, war er tot. Daß es mir vergönnt war, ihm wenigstens seine letzten Stunden menschenwürdig — wie oft müssen wir auch darauf verzichten — zu gestalten und ihm sein Sterben zu erleichtern, ist ein schwacher Trost. Was w»r an ihm verlieren, wißt Ihr Jüngern, die Ihr ihn besser kanntet als ich, selber. Ich weiß, daß er bei Euch als ein kluger, kultivierter, fein empfindender Mensch anerkannt war, daß er bei Euch und im Blau-Weiß eine führende Stellung inne hatte. Ich selber lernte ihn bei meinem ja nur flüchtigen Aufenthalt in Breslau als gescheiten, netten jungen schätzen, jetzt weiß ich, daß er mehr als das war, daß er ein „ganzer Keri' gewesen isL Der Krieg macht die Menschen nicht besser und edler. Wir beide sprachen erst vor kurzem über dieses Thema und empfanden beide mit Beschämung, wieviel Feigheit, Gemeinheit, Dünkel und Strebertum es hier draußen gibt Der Krieg, das ständige Bewußtsein der Gefahr, das Niewissen, ob man in der nächsten Stunde noch lebt oder zum Krüppel geschossen ist, macht die Menschen nur nackter. Er läßt alles Angetünchte abgleiten, alles das, was nur äußerlich anerzogen und angelernt ist. So macht er die Kleinen und Haiben noch kleiner, häßlicher und schlechter, und die Ganzen und Kräftigen dagegen noch größer und stärker, die macht er zu Helden. Und Ludwag Franz Meyer ist ein Held gewesen. Er war mit Leib und Seele Soldat, der beste der ganzen Batterie — w e mir sein Hauptmann und Abteilungschef wörtlich sagte. Er war stets dabei, wenn es sich um eine be-