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Der jüdische Student · 1915-08-12 · Heft 3 (12.8.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 3 (12.8.1915)
Date
1915-08-12
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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76 Der jüdische Student Volk; mein Judentum Hebe, und hier erst wurde es mir vollkommen klar wie unzertrennlich mein Geschick mit dem meines Volkes verknüpft sei. Zu heißem Dank aber fühle ich mich, neben meinen Eltern, dem Kartell verpflichtet, d^s die Entwicklung der in meiner Seele bereits keimenden Liebe -zu meinem Volke In die richtigen Bahnen zu lenken vermocht hat und mich gelehrt hat, mit offenen, klaren Augen zu sehen. Dieser Dank aber gilt vor allem den Korporationen, aus deren Schöße ich hervorgegangen, der Maccabaea und dem Ruder-V J, St Aber das Unglück will, daß fast alle Ruder-V. J St.-er im Felde stehen und so der Ruder-V. J. St augenblicklich zu existieren aufgehört, die Maccabaea aber mich aus ihren Listen gestrichen hat, da ich ja dem Ruder-V. J. St angehöre. Und so höre ich denn von1beiden nicht-, habe ich gerade jetzt den Connex mit ihnen verloren, jetzt, da ich's am bittersten empfinde. Es ist dies besonders bitter in einer Zeit, da die meisten Bundesbrüder sicherlich erst in einen recht innigen Connex gerade mit ihrer Stammkorporation gekommen sind. Und so kann ich ein Gefühl der Verwaisung in geistiger oder vielmehr in jüdischer Hinsicht kaum verlieren. Und während ich fast Tag und Nacht über das Geschick meines Volkes, die Not und den kulturellen Tiefstand unserer osteuropäischen Stammesgenossen nachdenke und oft stundenlang in tiefes Nachgrübein versunken bin und nur in der festen Zuversicht Trost und Hoffnung finde, daß unsere Idee unserem Volk Rettung und Heil bringen wird, fehlt mir fast jegliche Nachricht darüber, was in Deutschland, was in der übrigen Welt in jüdischer Beziehung vor sich geht. Wie ich darunter gelitten habe und leide, kann ich Euch einfach nicht schildern, das kann ich in Worten nicht ausdrücken. Wenn ich wenigstens die Jüdische Rundschau noch erhalten hätte! Aber nein. Mit dem 26. Februarsteliieauchdieihrcrscheinen ein. Bine, teilt doch der B. Z. V. mit, daß ich am nächsten Ersten 12 Mark Jahresbeitrag einsende, damit ich wenigstens die Rundschau wieder regelmäßig erhalte» Außerdem wäre es mär sehr interessant zu erfahren, ob die Z V. f. D, an mich zu Pessach aucii die; herrliche Pessachgabe versandt hat und diese nicht angekorfifilen ist. Jedenfalls hafte ich damit gerechnet, sonst hätte ich mir von meinen Eltern eine Hägadah schicken lassen. So saß ich einsam in meiner „Paniefcibude und starrte mit ( hohlen Augen in ein Nichts. Pessach 1915 werde ich nie vergessen. Er War furchtbar. Von Kriegserlebnissen habe ich nichts zu berichten,, da ich Kriegerisches wenig erlebt. Um so reicher ist allerdings mein Indisches Erleben. Ich liege hier in der Nähe der Stadt Racionz. und reite, soweit es mir möglich, dorthin, um einige Stunden mit Juden zu verplaudern und so unsere Östjttden näher kennen zu lernen. Manch' schöne und manch' bittere Erinnerung

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