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Der jüdische Student · 1915-08-12 · Heft 3 (12.8.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 3 (12.8.1915)
Date
1915-08-12
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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74 Geld? Eine Waffe im Kampfe gegen die niederträchtige Welt, das Mittel, mit dem sie sich trotz aller Besitzlosigkeit immer noch notdürftig über Wasser halten. Was bedeutet ihnen Bestechung? Ein Kampfmittel, mit dem sie ihre gerechten Forderungen gegen die Ungerechten durchsetzen. Sie betrügenf ~- aber nur ein Recht, durch das sie sich nicht geschützt fühlen. Sie hassen die Polen mit einer unglaublichen Leidenschaft, aber daß sie außer ihrem Haß noch das befreiende Gefühl einer tiefen Verachtung gegen ihre Peiniger kosten dürfen, verdanken sie nicht bloß der Religion, sondern auch dem Bewußtsein, daß sie den ganzen galizischen Kleinhandel und das niedere Polenpack wirtschaftlich beherrschen, „Geld überströmt die ganze Welt," sagte der eine, und es ist zweifelhaft, ob aus diesen Worten nicht ebensoviel Verachtung wie Verehrung des Geldes kling!: Was ist ihnen Rothschild, der sich einer sprichwörtlichen Berühmtheit erfreut? Ein Sieger, dem es gelungen ist, seinen Fuß auf den Nacken der Anderen zu setzen. Diese Menschen müssen geldsüchtig und -tüchtig sein! Wie sollten sie sich sonst ihren Sabbath verdienen, an dem sie wirklich noch immer das Volk Gottes sind?! Und ist schließlich ihre Geldgier nicht bloß eine niedere Form der Begabung, die in Ländern größerer Freiheit eine wichtige Ursache wirtschaftlichen Aufschwunges geworden ist?! Und ihre Fröifimigkeit darf man nicht als eine durch ihr tägliches Leben entlarvte Heuchelei ansehen, sondern gerade weil ihr religiöser Idealismus echt ist, müssen ihre weltlichen Sünden in Ursachen wurzeln, die stärker sind als die moralische Widerstandskraft normaler Menschen. Man ahnt übrigens, wenn man sie betrachtet, daß es auch mit der Abkehr der Juden von schwerer Körperarbeit irgendwie zusammenhängen muß, daß sich der Gedanke der Auserwähltheit — ehemals das prophetisch - nationalistische Empfinden Weniger — dem ganzen Volke mit einer religiösen Intensität mitteilen konnte, wie sie sonst nur Sekten, nicht aber Völkern eigen ist — — Unser deutscher Zionismus ist — bei manchen mehr, bei manchen weniger — durch einen gewissen Antisemitismus genährt, Du weißt, wie ich es meine. Was ich aber schon als junger V. J. St-er gefühlt und einmal geschrieben habe, erscheint mir auch jetzt noch als ernste Wahrheit: Der Zionismus muß auf irgendeiner großen Liebe beruhen. Die Quelle des Hasses gegen die Untreuen und Dekadenten und ^vielleicht auch gegen sieh selbst ist zu schwach, um die Räder dauernd treiben zu können, und sie ist immer in Gefahr, zu versiegen. Wie der Sozialismus, der nur Haß gegen die Bourgeoisie und nicht Liebe zum Proletariat, sondern allenfalls noch Liebe zu-einem Zukunft^ mehschentum ist, immer an der Oberfläche bleibt so taugt der Zionismus wenig, der nichts als eine, sich in ein Paiästinaideai

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