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Der jüdische Student · 1915-08-12 · Heft 3 (12.8.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 3 (12.8.1915)
Date
1915-08-12
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Der Jüdische Student mmtfummmmm 73 "sehen Juden gelernt hat, wie denn die russischen Juden überhaupt jüdisch-geistig unvergleichlich höher stehen als die galizisch,en—, ist sehr fromm, wenn auch in seinen Ansichten nicht ganz so streng wie der Vater, Dabei immer fröhlich und glücklich lachend. Er war komisch, wie er vor Staunen fast erstarrte, als er hörte, daß es in Deutschland fromme Juden gebe. Er glaubte es nicht, unc! ich mußte ihn von meiner einwandfreien Herkunft mühsam überzeugen, indem ich der Reihe hach verschiedene religiöse Handlungen (Chomez batteln, kapaures schlagen etc.) mit Namen bezeichnen mußte. Er war einfach außer sich vor Verwunderung, auch a's er hörte, daß ich Pentateuch übersetzen und sogar „leinen" könne. T,Oi, joi, joi," sagte er bei jedem neuen Schlager, den ich vorbrachte, und hätte mich fast umarmt Es ist überhaupt erstaunlich, daß in dieser Hinsicht in öalizien völlig irrige Vorstellungen herrschen, Ein Chassid in Wieliczka, der zwar den Namen von Rabbiner Münk kannte, wollte nicht glauben, daß man in Berlin koscher essen könne. Was beweist dieses Erlebnis? Daß viele Eigenschaften der galizischen Juden verschwinden, wenn sie menschlich und in einer besseren Luft leben. Gewiß, der Gesamteindruck ist trübe. Es ist unbestreitbar, daß die galizischen Brüder ein kümmerliches, unreinliches, geidsüchtiges Dasein führen, das durch das Bewußtsein der religiösen Auserwahlüieit — das allerdings sehr stark in allen lebt — nur dürftig erleuchtet wird. Man legt unwillkürlich immer den Maßstab der Palästinatüchtigkeit an, und das Ergebnis ist kein erfreuliches: Diese Menschen sind sicher nicht die geborenen Kolonisatoren. Und doch muß ich sagen, daß ich sie alle mit liebendem Herzen gesehen habe, Freilich muß man es verstehen, mit ihnen zu reden. Schiff {.der junge Zionist aus der 7. Kompagnie, von dem ich Dir schrieb), klagte mir, er habe verschiedene Juden mif „Schalonr* begrüßt, sie hätten ihn aber verständnislos angesehen. Man muß die Sprache ihres täglichen und vor allem ihres religiösen Lebens etwas kennen, dann kommt man ihnen bald nahe, ich habe angesichts meines Hasses gegen unsere Assimüanien mich oft gefragt, ob es mir nicht an echtem 'völkischen41 Empfinden, -das doch auch für diese Treulosen zuweilen ein Verstehen haben müßte, gebricht. Hier in Galizien war ich mehr mit mir zufrieden, denn ich habe in jedem Augenblick mit diesen Menschen empfunden und ihr Schicksal, die historischen und soziologischen Bedingungen ihres Charakters, nicht erwogen, sondern unmittelbar mitgefühlt, Sie sind Opfer, und manche ihrer sogenannten schlechten Eigenschaften wird dadurch veredelt, daß sie nichts anderes als Waffen in einem furchtbaren Ringen um die wirtschaftliche und moralische Existenz sind. Was ist den galizischen Juden

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