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Der jüdische Student · 1915-08-12 · Heft 3 (12.8.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 3 (12.8.1915)
Date
1915-08-12
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Der Judische Student 71 getroffen, und wir haben sehr gelacht. „D^r Herr ist gewiß ein Jude", sagte er strahlend zu Leutnant Prahl Die Landluft wirkt ja wenig auf diese Juqen, die im allge meinen ihr Stadtmenschentum in die Natur verpflanzen, abe* etwas freier, natürlicher erschienen mir diel Juden in Dobra doch als in Wieliczka. Der Bäcker war direkt ein netter Kerl, und es war lustig, wie er glaubte/ die Polen dem Hauptmann besonders dadurch verleiden zu können, daß er sie Antisemiten nannte. Man sieht auf dem Lande auch vielfach jüdische Kinder mit nackten Füßen herumlaufen, und ich muß sagen, daß mir das schon gefiel, weil es etwas nach Natürlichkeit aussah. Und in Dobra habe ich auch einen ganz \ alten Juden gesehen, der bedächtig an einem Zaun zimmerte. I Am Vormittag des Dobra-Tages machte ich irnit dem Hauptmann und den beiden Leutnants eine kleine Bergpartie! Es war wie in der Sommerfrische. Herrlich, in der Sonne zu liegen und in das Tal hinabzusehen. Man vergißt ganz, daß Krieg ist. Das nächste Quartier war Mecina. Hier wohnte ich mit Jende zusammen bei einem jüdischen Pächter. Also Landleute? I Den Mann sah ich nur am Morgen, als er in das Zimmer hereinkam, um Taliis und Tefiilim herauszuholen. Dann verschwand er. Ich bekam bald heraus, daß er mit Kälbern handelt, und ich glaube, daß ihn dieser Handel erheblich mehr in Anspruch nimmt als die Feldbestellung. Nur die Mutter machte den Eindruck einer leidlichen Bäuerin, trug auch polnische Landtracht. Sie hantierte fleißig herum, schleppte Wasser und arbeitete fast soviel wie eine Polin "f— das sind anscheinend die geborenen Arbeitstiere!) Dagegen sah man dem fünfzehnjährigen Sohn den Widerwillen gegen die körperliche Arbeit deutlich an: Vor dem Krieg war er bei einem Schneider in der Lehre, wie denn Juden überhaupt, wenn sie handarbeiten, offenbar d i e Arbeiten bevorzugen, die am wenigsten Muskelkraft erfordern. Sie sind Schneider, Uhrmacher und dergl. Seine Mutter klagte über seine Faulheit. Er sollte Wasser holen, stand aber faul und schlapp in der Ecke, Später sah ich bei der Feldarbeit zu. Die Mutter harkte ununterbrochen, Taube, ein kleines, niedliches Mädchen, mit nackten Füßen, mühte sich auch ganz redlich, aber der Herr Sohn machte nur Pausen. Und er wäre wahrscheinlich ein sehr munterer, geschäftigter Händler. Wie sehr aber die galizischen Juden auch nur Opfer ihres Schicksals sind, wie entwicklungsfähig sie in einem höheren sozialen Milieu sind, mit anderen Worten, wie kurz die Linie ist, die von dort zu unseren deutschen Juden Jührt, das bewies mir ein Erlebnis im nächsten Quartier, in Tegoborze. Unsere Kompagnie war dort in eiinern großen, schloßartigen Gebäude einquartiert, das mit Schloß Pommery insofern Aehnlichkeit hatte, als es von Möbeln gänzlich entblößt war. Die Russen hatten

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