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Der jüdische Student · 1915-08-12 · Heft 3 (12.8.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 3 (12.8.1915)
Date
1915-08-12
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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70 Der Jüdische Student einem gedienten Soldaten hörte, in dieser Beziehung gerade die Zionisten eine rühmliche Ausnahme machen. Sie haben relativ am meisten Verständnis für den Kriegsdienst „Mit Geld kann man alles machen" hatte mir schon in Wieliczka ein Chassid gesagt, „Geld überströmt die ganze Welt". Auch in Deutschland sei es nicht anders. Warum sind im Kruppprozeß die Ingenieure freigesprochen? Bestechung, er glaubte es sicher. „Wir wären nicht Juden, wenn wir nicht immer Rat wüßten!" — So denken sie alle, nicht bloß die Chassidim. Der Rabbiner von Dobcryce, zur Zeit in Karlsbad — geflüchtet, wie die meisten Juden und wohlhabenden Christen, — pflegt zwar zu sagen, so erzählte man mir, „man müsse alle Chassidim unterschaufeln", d. h. begraben. Es ist ein großer Gegner der Chassidim, und die Tochter erzählte mir, man scheue sich, mit Chassidim Geschäfte zu machen. „Sie machen aus einem Toten einen Lebendigen", d. h. sie winden sich beim Handel so, daß sie den Anderen immer übervorteilen. Es scheint also, daß die Chassidim bei den Anderen den Ruf besonderer Unehrlichkeit im Handel genießen. Wahrscheinlich sind sie aber nicht besser oder schlechter als ihre Gegner. Am nächsten Tage marschierten wir wegen der Hitze erst um 4 Uhr nachm. ab. Der Weg war schön, eine Schlucht, eine Straße, daneben ein Bach, hin und wieder lichtere Stellen mit einzelnen Häusern. Und auch in diesen einzelnen Häusern wohnen schläfenlockige Menschen. Ganz seltsam, diese einzelnen judensiedelungen in den Bergen. Es sind regelmäßig Schenken, wie überhaupt das Schankgewerbe zum großen Teil in jüdischen Händen liegt. Abends um 12 Uhr kamen wir in Dobra an, einem Ort» der, am Fuße von zwei mehr als 1000 m hohen Bergen gelegen, sich mit jedem Dorf in den bayrischen Alpen messen kann. Wanzenquartier bei einem jüdischen Handelsmann, zusammen mit Abraham, Oberarzt Hoerder und dem Unterarzt. Ich habe die verschiedensten Methoden angewandt, um die Juden zu studieren; teils habe ich mich gleich zu erkennen gegeben, manchmal blieb ich ganz oder längere Zeit inkognito. Da war in Dobra ein jüdischer Bäcker, ein Schwager unseres Wirtes ein hübscher, einfach und bergmäßig gekleideter Mann, mit einem* Christuskopf, nur stämmiger und kräftiger aussehend, als ich mir jenen vorstelle, mit dunkelbraunem Bart und großen blauen Augen. Er erzählte Leutnant Prahl und Leutnant Völker und mir, daß die österreichischen Truppen nichts taugten bis auf die deutschen und die ungarischen Regimenter. Vor allem die Ungarn lobte er sehr. Die Ungarn sind ein stolzes Volk. „Sie haben auch, worauf zu sein stolz", sagte er und schilderte, was Ungarn für ein reiches Land sei. Ich sagte auf hebräisch: „ein Land, das von Milch und Honig fließt!44 Er war wie vom Blitz

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