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Der jüdische Student · 1915-08-12 · Heft 3 (12.8.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 3 (12.8.1915)
Date
1915-08-12
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Der Jüdische Student 67 «der Soldaten erregen, die Schwestern dieser kaftantragenden Jünglinge sind. Die Mädchen lernen von allem Jüdischen nichts, einfach nichts, nicht einmal Pentateuch übersetzen. „Je weniger ein Mädchen weiß, umso besser ist es," sagte mir ein Jüngling, „Chassidismus für Frauen gibt es nicht,"sagte ein anderer, „eine Frau muß koscher kochen können, das ist genug." Sie, die ihre uralte Tracht für ein notwendiges Attribut ihres religiösen Lebens betrachten und jeden verachten, der im kurzen Rock geht, empfinden es nicht im geringsten als störend oder eigentümlich, daß die Frauen nndischem Putz nachrennen. Sie seibist lesen kaum ein weltliches Buch, sondern leben. in der klassischen jüdischen Literatur, die Frauen lesen polnische Romane. Ganz ähnlich oder eigentlich genau ebenso liegen die Verhältnisse bei den Orthodoxen, die — bei aller Gegensätzlichkeit in feligiösen Dingen — in Lebenshaltung und Lebensführung mit den Chassidim fast übereinstimmen. Das alles konnte der Aüfrechterhaltung der bestehenden Zustände nicht gefährlich werden, solange die Frauen sich zufrieden gaben. Ich habe aber aus der Unterhaltung mit vielen oder eigentlich allen Mädchen, die ich sprach, den Eindruck gewonnen, daß es bei den Frauen^ zum großen Teil wohl durch zionistische Einflüsse, zu gären beginnt. Kein junges Mädchen sagt mit freudiger Ueberzeugung, sie sei „Chassidin" —, ein unmöglicher Begriff oder sie wolle eine einfache jüdische Hausfrau werden. So fern ihnen der Gedanke an einen Widerstand gegen das Gesetz liegt, so empfinden sie es doch schon mehr oder minder deutlich als empörend* daß sie in Unwissenheit erhalten werden und sehnen sich, sicher auch durch literarische Einflüsse bestimmt, nach geistiger Gemeinschaft zwischen Mann und Frau- So strömen die Mädchen in Menge den von den Zionisteri gegründeten hebräischen Sprachzirkeln zu, denen die Brüder durchaus fernbleiben! Kein Mädchen wagt zu sagen, sie sei Zionistin, dazu ist die Macht des elterlichen Hauses zu groß, aber sie „sympathisieren11 alle. Sie sagen, das jüdische sei eine verdorbene Sprache, Hebräisch sei ihre wahre Sprache — ein Gedanke, der den Brüdern fernliegt. Das alles heißt, daß ihnen der Zionismus im Grunde ihres Herzens zusagt, und wohl auch, daß ihnen die jungen Zionislen besser gefallen als ihre Brüder! Und wenn dem so ist, so steht es schon faul um die Zukunft des Chassidismus, wenngleich natürlich noch immer die meisten „ von diesen Mädchen ehrbare chassidische Hausfrauen werden. Die meisten! Ich glaube, daß gerade aus chassidischen Kreisen wenige den Weg zur Bildung finden, aber es scheint doch, daß manche auf „andere" Abwege geraten. So schwer man es glauben möchte, so ist es gewiß nicht bloß aus Gründen des wirtschaftlichen Elendes zu erklären, sondern schließlich auch aus der trostlosen Oede des weiblichen Geisteslebens zu

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