Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 1 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537715-3537716--3438-3542826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Jüdische Student 9 Dem Heft lag ein Blatt bei, das die Aufforderung an alle K. C-er enthielt, unverzüglich ihre Feldadressen mitzuteilen und möglichst oft über das eigene Befinden und das Befinden anderer Kartellbrüder zu berichten. Dieses Blatt war mit einem breiten schwarz-weiß-roten Rande eingefaßt. Der übrige Inhalt des Heftes ist, obwohl er sich nicht mit dem Krieg befaßt, interessanter als gewöhnlich, Dr. Bruno Weil aus Straßburg i. E. befaßt sich mit dem Leipziger Delegiertentag der deuischen Zionisten. Er konstatiert mit Bedauern die Fortentwicklung des Zionismus seit der Zeit seiner Studentenjahre, als man noch von zionistischer Seite immer betont habe, daß der Zionismus niemals von dem einzelnen eine Aufgabe auch nur des geringsten Bruchteils der Position der deutschen Juden innerhalb Deutschlands verlangen könne und dürfe, daß das zionistische Ideal in der Gründung emer Heimstätte nicht etwa für größere Bruchteile der deutschen judenheit, sondern nahezu ausschließlich für die des Ostens in Betracht komme. So aufgefaßt als Bewegung des Mitleids oder mit Herz! ab die große politische Aktion verlangte der Zionismus in keiner Weise die Umwertung des inneren Empfindens der westeuropäischen Juden» Den Markstein der neuen Periode im Zionismus bilde die Posener Paiästina-Resolution. Alle Tendenz heißt jetzt: vZion*\ und der Gedanke, wie stark doch diese nationaljüdischen Oedankengänge der antisemitischen Bewegung Waffen gegen das deutsche Judentum schmieden könnten und geschmiedet haben, hatte in den Kopien der Delegierten irgendwelchen Raum offenbar nicht mehr gehabt, auch logischer Weise nicht mehr haben können. Lobend erwähnt werden Bbr. Adolf F r i e d e m a n n und Dr. Franz Oppenheimer als Vertreter des älteren, deutschen Zionismus, dem auch der ICC. eine gewisse Anerkennung nicht versagen könne. Aber was sie gesagt haben, klang wie ein Abgesang, wie das Lied sterbender Schwäne, für sie fanden sich bei der Abstimmung nur 22 gegen 61 Stimmen, und auch von diesen 22 durften höchstens 10 aus sachlichen Gründen nicht mit der Majorität gestimmt haben. Weil bespricht weiter mit kritischen Bemerkungen die Debatte über Jugendpropaganda und Motzkins Palästina* Referat-und drückt zum Schlüsse noch einmal sein Bedauern über den Sieg des Radikalismus aus. Mit dem 8 i a u ~ W e i ß befaßt sich Rechtsanwalt Ludwig M a y e r?i Essen, ausgehend von den antisemitischen Vorgängen im Wandervogel. Er glaubt noch nicht an eine endgültige antisemitische Durchseuchung des Wandervogels und hält deshalb die Gründung jüdischer Wanderbünde für mindestens verfrüht Selbst wenn aber der Wandervogel e. V. sich für den A- und Antisemitismus entscheide, so blieben den Juden der Alt-Wander-