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Der jüdische Student · 1915-03-12 · Heft 7 (12.3.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 7 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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200 Der jüdische Student nun aber einigermaßen das Vertrauen bei den Juden erworben-- hatte, habe ich es mir doch nicht versagen können, mit einem und dem anderen, dem ich dienstlich oder außerdienstlich näher treten konnte, auch über jüdische Zukunftstragen zu plaudern. Und auch hier fand ich bestätigt was ja wohl nicht mehr ganz neu ist daß unser d. h. des Zionismus ärgster Feind unter den russischen Juden der Sozialismus ist. Für die große Masse giebt es Zweifel über Fragen der Nationalität garnicht: hätten sie je Zweifei darüber gehabt so wären diese sicherlich längst . durch die Feindseligkeiten, die alle anderen Nationen des russischen Reichs ihnen angedeihen lassen, gelöst worden. Auch die strammen Sozialisien, mit denen ich gesprochen habe, denken garnicht an eine Yerschmelznng mit den Russen; sie versprechen sich von einer Umgestaltung des russischen Reiches im sozialistischen Sinne lediglich die Gleichstellung der Juden mit allen anderen Gliedern dieses Reiches. Aber an eine eigene Zukunft des jüdischen Volkes außerhalb Ruiilands glauben sie nicht, wollen sie nicht glauben. Nun, es ist ja natürlich so eine eigene Sache um solche Diskussionen in der Gefangenschaft. Seihst wenn man wie jene in ßhie Berak vom Abend bis zum Morgen diskutieren wollte, würde man den Stoff nicht erschöpfen: und hier muß man sich mit kurzen Minuten der Unterhaltung begnügen: denn der Dienst drängt, und jede außerdienstliche Unterhaltung mit Kriegsgefangenen ist verboten und wird mit argwöhnischen Bücken sowohl von den anderen Gefangenen als auch von unseren eigenen Kameraden beobachtet. Immerhin, soviel'konnte ich feststellen, traf ich eine prinzipielle Gegnerschaft gegen den Zionismus, so handelte es sich stets um einen Sozialisten. Sm übrigen wirkt ausgezeichnet die „jüdische Rundschau46. Nachdem ich gesehen hatte, dali an jedem Sonntag iür die römisehfkathoHschen Gefangenen auf Veranlassung des hiesigen Pfarrers^ eines überaus tüchtigen, rührigen und intelligenten Geistlichen, eine katho 1 isch-kirchnche, in polnischer Sprache in Posen erscheinende Zeitschrift einging und verteilt wurde, regte ich bei Calvary den Gedanken an. es mit der .»Rundschau41 ebenso zu machen. Die a;]en geistlichen Wünschen überaus leicht zugängliche Kommandantur hat ohne weiteres ihre Zustimmung gegeben und seitdem kommen alle Woche zehn Exemplare der „Rundschau^ ins Lager, zu denen noch mein eigenes als eitles tritt. Und diese Exemplare, die von Hand zu Hand gehen, werden tatsächlich verschlungen, ich glaube kaum, daß dieRundschau" noch irgendwo so aufnTerksame Leser hat wie draußen im Lager. Sogar die Annoncen werden nicht nur gelesen, sondern "auch benutzt z. ß. zu einer kleinen Engrosbestellung des Bildes „jom-Kippur im Felde 1Q14", das von einem Berliner Verlag Wolfsohn angekündigt

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