Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 7 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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Der judische Student 195 wurden, fanden sich-verhältnismäßig viel Juden ein. je mehr aber die Vertrautheit zwischen Verwaltung und Gefangenen wuchs, je mehr jene aus natürlicher Anlage und Sprachünkenntnis gemischte passive Resistenz der großen russischen Masse wich, desto mehr wurden auch die Juden wieder zurückgedrängt. Zweierlei kam zusammen, um diesen Effekt zu erreichen. Zunächst auf Seiten der Gefangenen eine unverhüllte, mit allen Mitteln arbeitende judenfemdsebaft, Dabei kommt es garnicht darauf am von welcher Nation die anderen sind. Deutsche, Großrussen, Kieinrussen, Armenier, vor allem Letten und Polen, sie alle wetteifern im Judenhaß. Seine AeuOeningen sind ganz verschieden: darum wül ich statt aller allgemeinen Erörterungen vier konkrete Fälle erzählen. Eines Tages meldete ein jüdischer Gefangener, ihm sei sein Portemonnaie mit 20 M., die er soeben von Hause bekommen habe, gestohlen worden, und bezichtigte seinen Pritschenxiachbarn als Inten indem er als besonders beiastend hervorhob., dieser Mann, ein Großrusse, sei mitten in der Nacht aufgestanden und habe sich auf eine.. andere Pritsche gelegt. Das wurde von dem jüdischen Dolmetscher bestätigt. Der Bezichtigte stritt: und der russische Feldwebel der d:e betr. Xompannie führt erklärte kategorisch, er habe selbst dem Mann den Befehl gegeben, sich auf die andere Pritsche zu legen; im übrigen sei auf den Dolmetscher gamichrs -cu geben, ca er ja doch selbstverständlich als Jude' dem Juden beistehe. Dabei stellte sich neraus. daß derartige Reibereien zwischen Juden und Russen an der Tagesordnung oder vielmehr, da sie in der Regel nachts ausgefochten werden, an der Xachtordnung sind. Der zweite Fall, der es mit dem echten Russen;- zu tun hat, ist noch krasser. Ich nahe, zunächst für gottesdienstliche Zwecke, einen jüdischen Chor gebildet. Dieser sollte zunächst in dem Tagesraum einer Baracke seine 1*ebungen aohahen. Das erwies sich aber auf die Dauer als unmöglich; denn kaum hatte der Chor mit seinen Dehlingen begonnen, als ein derartiger Lärm, verbunden mit' Schmäh- und Spottworten, anfing, daß die Uebungen eingestellt werden mußten. Jetzt werden die Uebungen in einem Zimmer im Lazarett abgehalten. Der dritte Fall betrifft die Polen. Unter den Sanitätern und' Feldschern sind fast gar keine Russen, fast nur Polen und Juden. Uno hier hat esin der Tat eine Art großpoinischer Propaganda zur Verdrängung aller Juden gegeben, oie erst durch ein sehr energisches Machtwort des leitenden russischen Arztes, eines gläubigen Juden und nebenbei ganz entzückenden Menschen aus Riga, unterdrückt werden mußte. Was hier die Polen nicht fertig brachten, gelang an anderer Steile, den Letten. Wir haben verhältnismäßig wenigwirkliche Deutsche aus den russischen Ostseeprovinzen im Lager; da nun die Letten alle perfekt deutsch sprechen und gewisse Voneile