Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 7 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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»96 Der jüdische Student für sich darin sehen, daß sie sich als Deutsche ausgehende tun sie das, und zwar mit um so größerem Erfolg, als ein TeH ihrer Namen zeigt, daß sie ursprünglich Deutsche waren und ietiisiert worden sind. Dazu kommt noch als besonderer. Verteil, daß sie zum größten TeH der evangelisch-lutherischen Konfession angehören, Ueberaü - da nun, wo die Juden ihre Pionierdienste geleistet hatten, traten allmählich Letten an ihre Steile. Besonders auffallend war die Entwiekelung in den Handwerkerstuben. Wir haben eine große Schneiderstube und eine große Schusterstube im Lager: in beiden saßen zu Anfangnur jüdische Handwerker und Vorarbeit?, Als nach einiger Zeit diese Stuben vergrößert und unter die Aufsicht eines "deutschen Unteroffiziers gestellt wurden, kamen auch Letten dort hinein. Vorn ersten Tage an war ein Zusammenarbeiten ausgeschlossen. Die Juden hatten ihren besonderen Tisch und die Letten ebenfalls, und obwohl beide Tische neben einander standen, schien es, a^ wenn mausende von Meilen dazwischen lägen. Weder gab es ein gerneinsames Gespräch, noch gemeinsame Arbeit, 'noch einen Austausch von Handwerkszeugen oder etwas ähnliches. Und nach kurzer Zeit dominierten nicht mehr die Juden, sondern die Letten, auch die jüdischen Vorarbeiter waren durch Letten ersetzt worden. Das konnte natürlich nicht ohne Genehmigung des deutschen Aufs;chtspersonais geschehen. Und hier zeigte s:ch das, was ich oben vom latenten Antisemitismus sagte.; Die Letten hatten es verstanden, sich für biedere protestantische Deutsche auszugeben, die von den Juden unterdrückt würden, sie' bezichtigten die Juden mehrerer Verfehlungen gegen die Disziplin, mit denen sie nicht ganz unrecht, aber bei weitem nicht ganz recht halten, und siehe da? das deutsche Aufsichtspersonai stellte sich glatt auf die Seite der ..Deutschen", d. h. der Letten, gegen die juder. und zwar nicht etwa aus sachlichen Gründen — denn die Letten treiben ebenso verbotenen Handel wie die ludtn —, sondern rein aus dem Gefühl der Zuneigung gegen die „Deutschem* und der Abne:gung gegen die luden heraus. Und die Lageroffiziere, die sich ^wirklich bemühen, die Gefangenen auch ohne irgend einen Unterschied gerecht und gut zu behandein, können dagegen nichts machen; denn in den Einzelfragen, besonders in Fersonalfragen müssen sie sich natürlich auf die technisch vorgebildeten Unteroffiziere verlassen. habe, so gehört das in das Kapitel der verschiedenen Äxten' von Juden und ihrer Eigenschaften, die wir hier haben. Zunächst nach dem Bildungsgrad: Wir haben Akademiker — nicht nur unter den Aerzten —. Kaufleute. Handwerker, ungelernte Arbeiter, Händler aller Art. Unter den russischen Einjährigen, die übrigens im Gegensatz zu den hiesigen