Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 5 (1.11.1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Der Jüdische Student Verbindung Judischer Studenten an der Universität Breslau l Gegr. 4. November 1899. — Farben: Gelb-hellhlau-waß Kneipe u. Brief abläge: Werderstr, 13—19. Rasch ist ein Semester verflogen/ Eine Anzahl von Erlebnissen und neuen Eindrücken, von Ereignissen, die sich überstürzen — und man erwacht eines Morgens, um sich zu seinem Erstaunen wieder in der väter* liehen Klause zu. sehen. Eins aber rettet man sich von dem vielen im Semester Erlebten hinüber, die leuch{&?tde Erinnerung an zahllose frohe urid^ glückliche Stunden, deren Gedenken einem noch im späten Philisterium ein; frohes Lachein entlocken mag. SolcheF^trinnerungen haben wir aus dem letzten Semester unserer V.J. St. viele nach Hause genommen.» Denket Ihr noch, wie wir mit jubelnden Liedern im engen Kreise bei gutgemischtet. Bowle saßen und bei Gläserklingen (und Gfäserspringen, Herr Kassenwart!) die überschüssige Jugendkraft verpufften? Und dann, welch ein anderes Bild, wenn wir mit Loden und Rucksack singend zu den Toren Breslaus hinauswanderten und in Wald Und Wiese, unter reinem sttahlendem Himmel fanden, was in der Großstadt so schwer zu erhaschen ist, Freiheit von Kummer und Sorgen, wahre — analkoholische — jugendfreude? Solcher Stunden waren gar viele im letzten Semester. Mit einer stattlichen Korona wurde unser 30. Semester eröffnet. Die Chargierten waren: med. Martin Not h mann < med. Bruno P owitzer X X JF. M. T. W. med. Fritz B r e i t b a r t XXa S. W. Fechtwart wurde a. B. F r e y. Bald zu Beginn des Semesters wurde unsere Zahl durch 7 krasse Füxe, 4 davon aus Breslau, vermehrt, die schnell in unsern Kreis hineinwuchsen und sich bald bei uns heimisch fühlten. Von a. B. P owitzer wurden sie im Komment, von A. H. Glaser und a. B. Benno Cohn in Tendenzfragen unterrichtet. Besonderen Wert legten wir auf die jüdische Fortbildung der Burschen. Es galt sie mit allen wichtigen innerjüdischen Problemen vertraut zu machen, um sie zu Kämpfern für das neue Judentum zu erziehen. Diesem Zwecke diente ein lehrreicher Palästinakurs, den A. H. Ros£nbaum leitete, ferner ein Zyklus von Referaten, in denen die Burschen sich mit neu erschienenen jüdischen Büchern beschäftigten. Schließlich führten zwei Sprachkurse, der eine von A. H. Zcrkowski gehalten, die Bundesbrüder in die Elemente der neuhebräischen Sprache ein. Von Vorträgen sind u. a. die von M o s e s über „Pogrome" und M a r k i e w i t z über , Rasse und Religion" zu nennen. Eine eigenartige Note brachten in unser Verbindungsleben unsere wöchentlichen Wanderungen, die bald zu unsern schönsten Veranstaltungen zahlten und bei den Aktiven große Begeisterung erweckten. Auch der Sport erfuhr in diesem Semester eine intensive Pflege. Neben täglichem Fechten und Schwimmen trieben wir mehrere Stunden wöchentlich Leichtathletik und übten ans im Faustbali- und Fußballspiel. *) Eigenname steht noch nicht fest.