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Der jüdische Student · 1914-11-01 · Heft 5 (1.11.1914) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 5 (1.11.1914)
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 38)
Language
German
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Der Jüdische Student 125 Zu Max Brods „Arnold Beer4' Von Gustav Krojanker. Schade, daß man es verabsäumt hat, Arnold Beer rechtzeitig für das K. J. V. zu keilen. Er wäre unzweifelhaft ein höchst brauchbarer Bundesbruder geworden. Denn in allem ist er prädisponiert dazu. Geistreich ist Arnold Beer, talentvoll und ein Anreger für seine Freunde, Eine neue Weitlehre hat er geschrieben; hat Umstürzendes auf musiktheorelischem Gebiete entdeckt und kein Examen gemacht. Daß seine grundlegenden Werke nie über das revolutionierende Vorwort hinaus gediehen, wird nur Pedanterie ihm zum Vorwurf machen. Mit den Jahren muß sich der Mensch nach einer Beschäftigung umtun. . Arnold Beer organisiert ein Flugmeeting; er wird Manager, Arrangeur, Obermacher. Fäden in einer Hand vereinigen; in Szene setzen; das nötige Bumbum und Tratra entfalten: hier ist sein Feld. Kurz: er entwickelt jenes Organisationstalent in sich, das (neben allem Schöpferischen) mit einem Schuß Raffer- und Reißertum immer durchsetzt ist und von dem wir alle bei aller Verschiedenheit der Veranlagung ein Fünkchen haben: ob wir nun Reinhardt oder Manoli heißen. Und dieser Arnold Beer wird sich seines Wesens, d. h. seines Judentums bewußt. In seiner Großmutter erkennt er sich wieder, einer alten, geizigen, mauschelnden Jüdin. Hausiererin ist sie oder ähnliches, in einem kleinen schlesischen Dorf, Da sie schwerkrank daniederliegt, reist er mit seiner Mutter hin und vor ihrem Sterbebett geht ihm eine neue Welt — eine alte — auf. Von dieser Frau, die im Elternhaus fast legendarisch behandelt wurde, fühlt er Fäden zu seinem eigenen Ich gehen. Bewundernd sieht er auf die ungebrochene Energie dieser Greisin, auf ihr Kämpfertum. Ihr Zweckmäßigkeitsdenken ist ihm fern; er strebt für anderes als sie; die Kraft seiner Instinkte ist durch feinere Regungen gebrochen. Aber aus derselben Quelle stammt seine Art. Arnold Beer sieht die Reihe vor ihm. Zum ersten Mal fühlt er sich nicht mehr als geistreichen jungen Mann voll modernen Empfindens, nicht mehr als einzelnen, als Individuum mit individuellen Anlagen — sondern zum ersten Mal als Glied in der Kette. Nicht so sehr Wesensanlage hat ihn anders werden lassen — das fühlt er am Sterbebett dieser fast verschollenen Gestalt —, wie vielmehr Erziehung und Milieu. Der große Theoretiker mit den revolutionierenden Vorworten wird klein. Der Kosmopolit fühlt die blutmäßigen Gebundenheiten. Wie jemand erst heutige Erscheinungen wirklich begreift, wenn fer ihren historischen Werdegang erfaßt hat — so versteht Arnold Beer sich erst jetzt: was an Kräften in ihm ist, ebenso wie was die Natur ihm an Grenzen gesetzt hat Jetzt weiß er,

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