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Der jüdische Student · 1914-11-01 · Heft 5 (1.11.1914) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 5 (1.11.1914)
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
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126 Der Jüdische Student was es mit seinen Fähigkeiten auf sich hat: er ist ein Enkel; feiner, differenzierter und ungleich mehr voller Bildung als die vor ihm; aber auch weniger stark, nicht mehr mit dieser Gradheit und Kraft der Instinkte, sondern skeptischer, gebrochener, willenloser als jene. Arnold Beer hat sich erkannt. Was tut er nun? Er geht hin und wird das Einzige, was ein Mensch seiner Fähigkeiten werden kann; er hat sich durchgerungen und — wird Journalist. Hat er sich durchgerungen? Ist es das Einzige? Für uns bedeutet der Schritt Arnold Beers nicht den letzten, sondern den vorletzten. Wonach streben wir? Was ist das Höchste, das wir erreichen können? Doch Offenbar eine Tätigkeit, in der wir alle unsere Fähigkeiten aufs Bestmögliche zu entfalten Gelegenheit haben und in der alle unsere Interessen sich konzentrieren. Wir sind hier unter uns: junge Leute, die am Anfang stehen und deshalb ehrlich sein können. Hand aufs Herz: wieviele unter uns haben aus solchen Erwägungen ihren Beruf wählen können? Wieviele finden darin die Befriedigung, die wir als Ziel aufgestellt haben? Wir werden Juristen und Mediziner und Techniker, weil man halt etwas werden muß und weil man vielleicht zu dem einen etwas mehr Lust verspürt als zum andern. Aber unser Wollen und unsere Sehnsucht ist in neunzig Fällen bei dem, was wir nebenbei treiben. Meist ist es irgend ein Zweig der Kunst, auf dem wir herumdüettieren; selbst wenig befriedigt und in den Augen der Ganzen, der Geschlossenen häufig lächerlich/ Arnold Beer hat den vorletzten Schritt getan. Er hat garnicht erst den Mantel des bürgerlichen Berufes gewählt, sondern gleich von vornherein das mehr oder weniger gescheute HerumdiletUeren auf allerhand Gebieten seiner Neigung zu seinem Beruf gemacht. Kein Wort gegen Berechtigung und Wert auch dieser Tätigkeit, Aber für uns gibt es anderes. Was Arnold Beer am Sterbebett seiner Großmutter gefühlt gedacht und getan hätte, wäre er in seiner Erkenntnis einen Schritt weitergegangen, hätte er statt des vorletzten auch den letzten Schritt getan — das liegt nahe. Wer sich erst einmal so stark wie er als Jude gefühlt hat, so wie er sich seiner blutmäßigen Gebundenheit klar geworden ist — in dem lebt auch etwas auf von dem Stolz, solcher Gemeinschaft zu sein—jeder Mensch liebt seine Art — und von dem starken Wunsch, diese Reihe, deren Glied man ist, nicht verachtet und in Auflösung begriffen zu sehen, sondern aufrecht und lebensfähig. Aus solcher Wurzel stammt ja unser aller Zionismus. Wäre Arnold Beer so weit gegangen, er hätte einen Inhalt für sein Leben gefunden. Der Kamp* für sein Volkstum, für Menschen seines Blutes und seiner Art wäre ihm dann Lebensziel geworden wie uns. Und ob er nun außerdem Journalist

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