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Der jüdische Student · 1914-11-01 · Heft 5 (1.11.1914) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 5 (1.11.1914)
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
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Der Jüdische Student 123 Handwerkern und Nichtstuern sich hier zusammengefunden hat Bei .qer völligen Gleichartigkeit des Erwerbes, dem die Hauptmasse\ der polnischen Juden durch das System des Ansiedlungsrayons\ nachzugehen gezwungen ist, ist es selbstverständlich, daß jeder jedem Konkurrent ist und schließlich keiner etwas verdient und besitzt. „Das rennt von morgens bis in die Nacht nur hinter einem Gedanken, einer Hoffnung her: zehn Kopeken" so schildert in einem einzigen ergreifenden Satze Kurt Aram in seinem jüngst erschienenen Buche „Der Zar und seine Juden" die Situation der polnischen Juden. Und in all dieser Not keine Hoffnung auf Besserung! Denn nicht genug damit, daß man diese armen Menschen in die bitterste Not hineingezwängt hat, hat man ihren Kindern auch jede Möglichkeit zu wirtschaftlichem und kulturellem Aufstieg genommen. Da die Vorbedingung zum Eintritt in eine sozial und wirtschaftlich höhere Schicht auch in Rußland der Besitz einer Summe von allgemeinen Kenntnissen ist, so setzte die russische Regierung hier den Hebel an, um die polnischen Juden auch in Zukunft niederdrücken zu können. Sie führte für die Zulassung von Juden zu Universitäten und Schulen die Prozentnorm ein, die die Ziffer der jüdischen Schüler in einer Schule und Universität von der der christlichen abhängig machte und so den Schulbesuch für Juden zu einem Privileg der Begüterten erhob, die es sich leisten können, durch Bezahlung des Schulgeldes für zehn neue christliche Schüler einem neuen jüdischen Schüler die Pforten der Schule zu eröffnen. Nach dem Willen der russischen Regierung sollen eben die Juden Polens in ihrer Masse armselige Schacherer und Tagelöhner bleiben, sie sollen nicht zu wirtschaftlicher Freiheit gelangen, weil ihnen diese womöglich die Fähigkeit verleihen könnte, die Wege zu ihrer politischen Freiheit zu finden. Schneller, ais jemand erwarten konnte, sind uns Juden Westeuropas diese furchtbaren Bilder der Not unserer Brüder in Polen, vor denen gar mancher wie vor einem Schandfleck Europas die Augen schloß, in greifbare Nähe gerückt worden. Der europäische Völkerkrieg hat Polen zu einem der Schauplätze des Kriegstheaters gemacht und heute ist der größte Teil Polens bereits von deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen besetzt. Als die Bringer von Freiheit und Reclit haben sich die Führer dieser Heere den Juden Polens angekündigt, und wie ich bei einem kürzlich erfolgten Besuch Überschlesiens selbst erfahren habe, bringen ihnen die Juden alle ihre Hoffnungen, alle ihre Frcitieitssehnsucht entgegen. Wird diesen Wünschen und Hoffnungen Erfüllung werden? Noch ist das Ende des Krieges iri* weiter Ferne und Prophezeiungen über seinen Ausgang sind mehr als verfrüht. Und doch dürfen gerade wir, die wir die Lösung der Judenfrage nicht auf Grund temporärer Vorgänge sondern nach den ewigen Gesetzen jüdischer Geschicntsent-

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