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Der jüdische Student · 1914-11-01 · Heft 5 (1.11.1914) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 5 (1.11.1914)
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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100 Der Jüdische Student unsern Kampf ums Recht soll und muß es genügen; widersinnig, wenn da noch unser ganzes Gefühlsleben geprüft werden müßte! Aber im übrigen: eine Niederlage Deutschlands würde nicht hur unsere Heimatsliebe, unsere materielle Verwachsenheit, unser soziales Sein treffen, sondern auch ein groß Stück unserer inneren Welt zunichte machen. So war es mir nicht zweifelhaft, daß ich ins deutsche Lager gehöre. Aber daß es uns um das Schicksal unserer russischen Brüde(,. und seien sie noch so russisch gesinnt, schwer ums Herz ist, welcher Narr wollte uns das verdenken? Daß wir es als Tragik empfinden, aus wie immer berechtigten Empfindungen heraus gezwungen zu sein, gegen sie im Felde zu stehen, — man müßte sehr unnatürlich und „liberal" sein, um das auch nur verwunderlich zu finden. (Zettel) Nach der ersten Schlacht Grauenhaft. Werde ich das je vergessen können? Wird dieses Stöhnen, Jammern, Schreien mich nicht wie ein Krampf mein Leben lang begleiten? Und sich vorzustellen, daß hier in jedem einzelnen Leben ein Abschiednehmen ist, ein letzter Moment, ein Abschließen mit Glück, mit Hoffnungen, mit Zielen, mit lieben menschlichen Beziehungen! Man darf nicht daran denken!! (Brief.) Also das ist der Krieg! Ein paar Tage kämpfen wir schon. Von meinem Vorpostenabenteuer, das mir vielleicht das Eiserne Kreuz einbringen wird, wirst Du lesen. Jetzt darf ich hinter der Front ein paar Tage davon ausruhen. Ich weiß nicht, was in einem solchen Kampfe der Kampf rein als Lebensäußerung genommen wertvoller ist, die Stimmung des einzelnen oder der Gesamtheit. Für den einzelnen das prachtvolle Gefühl, allen Wirrwarr der Ziele los zu sein. Hier gibfs nur ein Ziel. Angst? Gott, man weiß eben, daß man jeden Augenblick sterben kann, aber daran zu denken, hat man garnicht die Zeit Aufpassen, sich wehren! Wenn der Gegner nicht dran glauben muß, mußt Du's! Diese Spannung der Nerven, besonders auf Vorposten, alles Beiwerk ausgelöscht Der ganze Mensch ein Gedanke. Aber noch schöner und neuer ist eigentlich dies Miteinanderleben und -erleben. Das gibfs wohl so nur im Krieg. Freilich ist das nicht das Ganze, und so einfach vom frischfröhlichen Krieg redet kaum einer, der dabei war. Man erzählte mir, H. sei gefallen. Ein so kluger, tapferer, einfacher, durch und durch treuer Mensch! Ob man je in Deutschland eine Empfindung dafür haben wird — von der ziemlich gleichgültigen äußeren Anerkennung rede ich picht —, aber ob man je eine Empfindung däfür haben wird, was es eigentlich heißt,, daß die Juden, diese Stiefkinder des Vaterlandes, so ohne weiteres

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