Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 5 (1.11.1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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m Der jüdische Student dringender, unsere historische und politische Aufgabe sein. Der Gang der Geschichte hat erwiesen, daß diese unsere Bestrebungen nicht auf Kosten dessen gehen, was das deutsche Volk von uns verlangen $arf. Wir meinen vielmehr, daß in unseren Reihen ein jüdisches Geschlecht heranwächst, das, dem Vaterlande ebenso treu wie dem eigenen Volkstum, die Sympathien des gereiften deutsehen Volkes irt steigendem Maße gewinnen muß, ec Feldbriefe. Mitgeteilt von Moses C a I v a r y ^Crossen a. O. (Karte.) Nun sind wir ausgerückt. Und ich bin mit dabei. Nicht aus Abenteurertum, wie Du vielleicht denkst. Oder doch nicht bloß darum. Und ich fühle mich sauwohl dabei. (Vom Feind haben wir allerdings noch nichts gesehn.) Nächstens schreibe ich mehr. Keine Tatsachen, die kannst Du bei meiner Schwester lesen. Aber es geht einem doch so manches durch den Kopf, jetzt noch mehr als in der Kaserne. Zuweilen sind vielleicht ein paar abgerissene Zettel aus meinem Tagebuch dabei. Du wirst sie schon verstehn.- Schalom. (Brief.) - — Die Stimmung hier im Heer ist wundervoll. Vom ersten Tage an. Und dann, wie wir ausrückten. Ich werde das nie vergessen. Die Jüngsten konnten es kaum erwarten. Als wir, ich als letzter von zweihundert, ausgewählt wurden, rief mir der nächste, ein Junge von siebzehn Jahren, enttäuscht zu: „Mensch, haben Sie ein Schweinl*6 Weißt'Du*; daß ich etwas wie Neid fühlte! Wenn man ein so häßliches' Wort für ein so. schönes Gefühl mißbrauchen darf. Diese Selbstverständlichkeit, diese Einheitlichkeit, dieser unbedingte Wille und nichts als Wille.—-Haben wir Juden das je. für eine jüdische Sache aufgebracht? Und würden wir es können? Noch haben wir nicht erproben können, wie wir in einer solchen Stunde gemeinsamer Gefahr handeln würden. Daß wir nicht feige zurückweichen würden, haben die russischen Juden in den Tagen der Pogrome bewiesen. Aber ob wir diese gesammelte Kraft aufbrächten! Und nur darauf kommt's an. Hier jedenfalls und heute sind wir einzelne, haben, wie mir scheint, als Juden nichts zu suchen, sondern als Deutsche und als Männer. (Zettel,) Als ich mich zum Heer gemeldet hatte, ohne viel Besinnen, selbstverständlich, schmunzelte mich mein lieber Vetter