Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 5 (1.11.1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 97 Und trotzdem setzen wir uns unbedingt für diesen deutschen Krieg ein. Einmal, weil es gegen Rußland geht. Da haben wir ein Stuck eigenster jüdischer Arbeit zu leisten. Endlich findet unser seit Jahrzehnten aufgespeicherter Haß gegen dieses bestialische Land seine Befriedigung, Es gibt nicht zwei andere unter den kriegführenden Völkern, die sich mit solch tödlichem Haß gegenübertreten wie wir den Russen. Jetzt zahlen wir es diesen Mördern unserer Brüder, diesen Schändern unserer Schwestern heim; Wir atmen auf, daß wir, spät genüge unsere Rache nehmen und unsern Brüdern im Osten die Freiheit erkämpfen dürfen! Aber wir wünschen den deutschen Sieg auch deshalb, weil wir das deutsche Vo I k lieb e n. Von deutschem Geiste befruchtet, hat das Judentum den nationalen Gedanken geboren, der ihm eine neue Jugend verschafft hat und ihm ein neues, besseres Leben verspricht. Deutsche Ordnung und deutsche Disziplin sind die Vorbilder gewesen, nach denen wir unsere Organisationen geschaffen haben. Soweit die deutsche Macht reichte, haben wir stets die Freiheit gehabt, unsere jüdischen Aufgaben zu pflegen, wie es uns gut dünkte, und feinsinnige deutsche Männer haben uns so gut verstanden, wie Nithijuden es überhaupt nur können. So wissen auch wir, was für das deutsche Volk auf dem Spie! steht, und sorgen und hoffen mit ihm. Gerade unsere im reinsten nationalen Idealismus erzogene Jugend hat den Geist dieses Krieges in tiefster Seele mitempfunden und ihm entsprechend gehandelt. Bewundernd, fast neidvoll haben wir gesehen, wie hier zur Wirklichkeit wurde, was wir unsere Jugend als das Höchste lehren: daß der Einzelne sich über der Gesamtheit vergißt und persönliche Existenz und persönliches Glück hingibt für sein Volk, darin erst seine wahre Vollendung findend. Vielleicht darf man hoffen, daß dieses mächtige Vorbild auch auf jene anderen jüdischen Kreise nachhaltig wirkt, in denen — ein Zeichen des Niedergangs! — die Persönlichkeit des Einzelnen zu o o einer unverdienten, ja unverständlichen Bedeutung emporgeschraubt zu werden pflegt. Eine Läuterung der sittlichen Begriffe in dieser Beziehung muß, wie jede Stärkung des natürlichen Empfindens, letzten Endes dem nationalen Judentum zu gute kommen, — Das Judentum mit nationalem Geiste zu durchsetzen, wird nach dem Kriege genau so wie vorher, und vielleicht noch