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Der jüdische Student · 1914-11-01 · Heft 5 (1.11.1914) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 5 (1.11.1914)
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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96 Der Jüdische Student stärken und ihre Seligkeit mehr denn je in der Hingabe des eigenen Selbst finden. Je stärker und selbstsicherer die nationale Kultur des Wirtsvolkes ist, desto magnetischer muß sie auf die assimilationsfreudige Judenheit wirken, desto heftiger sind von innen und von außen die judentumszerstörenden Mächte am Werke. Und doch braucht man kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, daß diesen Assimilaiionsbestrebungen in einer Welt, in der der Germanengedanke herrscht, ein noch kläglicheres Ende beschieden sein wird als den bisherigen. Eine vernünftige und anständige Judenpolitik muß darauf ausgehen, durch absolute Ehrlichkeit; durch freies B e k e n n e n des jüdischen V o I k 's t u m s den Juden i m neu d eti t s c h en Volke eine w ö r d i g e S t eil ung zu schaffen. Grade jetzt, da wir durch Gut und Biut erwiesen haben, welche Bande uns dem deutschen Vaterlandxverbinden, dürfen wir umso eher unseren friedlichen kulturellen Sonderbestrebungen leben. Das Märchen, Nationaljudentum sei mit Patriotismus nicht vereinbar, ist durch die Tatsachen wohl so gründlich widerlegt worden, daß wir sein Wiederauftauchen nicht zu erwarten brauchen/ Auch hierüber einige Worte, Wir sind an dem Kriege nicht nur als Bürger des deutschen Reichs, sondern auch als Juden beteiligt Auf Seiten der verschiedenen kriegführenden Mächte kämpfen wohl drei- bis vierhunderttausend Juden mit. Daß uns dies nicht'gleichgültig ist, wollen wir ruhig gestehen; auch jeder Nichtjude wird es begreifen und würdigen, Auf dem östlichen Kriegsschauplatz wird es sieh täglich, ja stündlieh ereignen, daß deutsche Juden auf russische Juden» die man zum Wohle des Zarenreiches in die Front jagt, schießen, und auch in dem scheinbar assimiliertesten Juden wird die Stimme des Blutes sprechen und ihn das Ungeheuerliche, Grauenhafte solch, eines Kampfes empfinden lassen; denn das Leben ist ja zum Glück immer noch stärker als alle Theorien. Nicht nur dieser Zwiespalt drückt unsere Herzen Wir bedenken auch, daß das jüdische Volk an seinen Menschen- Verlusten tiefer und nachhaltiger leiden wird als die anderen, glücklicheren Völker, die sich auf ihrer friedlichen Scholle schnei! wieder erneuern; denn unsere Jugend, die im Felde steht, hat noch größere Aufgaben in ihrem Volk zu lösen als irgend eine andere neue Generation.

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