Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 5 (1.11.1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Der Judische Student 95 standen hat, bescheiden innerhalb der Ergebnisse ihrer Forschungen zu bleiben, sondern findet seine Rechtfertigung in der bewiesenen Ueberlegenheit deutscher Kraft und Tüchtigkeit Wie wird die deutsche Judenheit in ihrer Mehrheit auf diese deutsche Erhebung reagieren? So wie sie es muß, nachdem sie ein Jahrhundert lang die Assimilation, diese traurige Politik der Selbstentmannung, getrieben hat. Denn gerade in der Zeit, in der der Nationalismus auch der unbedeutendsten Völker erwuchs und neue kulturelle Werte von besonderem Reiz zeitigte — in derselben Zeit machten die Juden eine rückläufige Bewegung mit dem Ziele ihrer Entnationalisierung durch. Die Gründe sind ebenso klar wie der Erfolg: man zerhackte den jüdischen Volkskörper in einzelne Glieder, die Staatsbürgerschaften jüdischen Glaubens, weil man meinte, mit dieser Opferung der eigenen Gemeinschaft die Voliernanzipation zu erkaufen und nicht zu teuer zu bezahlen. Der Erfolg war nur der, daß zunehmend größere Teile des jüdischen Volkes diesen Gedankengang der Assimilation konsequerit zu Ende dachten und lebten, indem sie das Judentum verließen. Die Emanzipation wurde nicht über den Buchstaben des Gesetzes hinaus erreicht. Innerlich aber wirkte diese rein materielle Nützlichkeitspolitik, die die tiefsten und wertvollsten historischen Zusammenhänge dem Tagesinteresse opferte, derart zerrüttend, daß die Masse der in diesem Geiste erzogenen, freud- und schwunglos gewordenen und zeitig dem krassesten Materialismus verfallenen jüdischen Jugend heute zu den unerfreulichsten menschlichen Typen gerechnet werden muß. Dieses jüdische Geschlecht findet der große Moment in Deutschland als Frucht der von der Masse der deutschen Juden gepflegten Bestrebungen, und es wird sich mit der neuen Lage ebenso abfinden, wie es sich mit allen bisherigen abgefunden hat. Unfähig, eine Situation, an der sie selber beteiligt ist, mit historischem Blicke zu erfassen, bar aller inneren Kräfte, die sie befähigten, sich gegen starke äußere Einflüsse zu behaupten, wird die Masse der deutschen Juden aus der deutschen Erhebung nicht lernen, was ein Volk, wenn es nur auf sich vertraut, auch gegen eine Welt von Feinden und widrigen Umständen zu leisten vermag. Sie sind gewohnt, nichts von sich selber zu erwarten, sondern alles von der Anlehnung an die anderen; so werden sie ihre Assimilationsbestrebungen nur ver-