Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 4 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Dsr Jüdische Student Berlin N.W.21, den 23. Juni 1914. Turmstr. 8 I. An ein hohes Präsidium des BJ C, z. H. des Herrn Rechtsanwalt Dr. Hirsch, Berlin. Sehr geehrte Herren I Wir machen Ihnen hierdurch davon Mitteilung, daß wir für den Fall 'einer Fusion nach wie vor auf der Forderung eines rein zionistischen Programms beharren müssen. Dieser anfänglich von uns wie selbstverständlich vertretene Standpunkt ist durch die Diskussionen, die sich im Kartell daran knüpften, nur noch meht befestigt! worden. Und dies, obschon wir dem Kartell die ernsthafte Erwägung auch Ihres Standpunktes mit einer über Neutralität hinausgehenden Wärme ans Herz gelegt hatten. Sie mögen also überzeugt sein, daß unser Beharren nicht auf unüberlegtem Festhalten an liebgewordenen Korporationstraditionen, sondern auf ernsthaften Erwägungen beruht Wenn wir diese unsere Erwägungen im folgenden niederlegen, so geschieht es einmal, weil sich im Laufe der Debatten Gesichtspunkte herauskristallisiert haben, die wir bisher nur im Gespräch zwischen einzelnen zu vertreten Gelegenheit hatten. Dann vor allem, weil uns daran liegt, noch einmal zu Ihrem Verbände zu sprechen. Nicht weil wir glauben, durch unsere Argumente notwendig überzeugen zu müssen, sondern weil wir es gerade jetzt, wo vielleicht eine Fusion in dem ursprünglich erstrebten ganz engen Rahmen nicht möglich sein wird, für richtig halten, jeden einzelnen von Ihnen wenigstens zum achtenden Verständnis unserer Gründe zu veranlassen. Wir legen bei unseren folgenden Erörterungen ein Programm zu Grunde, wie es uns von Ihrer Seite in den verschiedensten Fassungen vorgelegt wurde; ein Programm also, das sich bemüht, den Gedanken des Zionismus unter Vermeidung des Wortes „Zionismus" irgendwie zu umschreiben. Zunächst : Die Zweckmäßigkeitsargumente, die Sie für die Notwendigkeit eines solchen Programms vorbringen, leuchten uns nicht ohne weiteres ein. Man weiß heute, daß der B.J.C. zionistisch ist, und wird es erst recht wissen, wenn er mit dem ehemaligen K Z. V. zusammengeht; um so mehr, wenn der K. C. gegen diesen neuen Verband seine ganze Arbeit richten wird. Hiezu kommt, daß der wesentlichste und fruchtbarste Teil der Keilarbeit nicht an Leuten vollzogen wird, die einem zufällig und unvorbereitet in der Universitätsstadt in die Hände fallen, sondern an solchen, die man entweder auf Grund persönlicher Beziehungen oder auf Grund der an den Schulen vorhergegangenen Keilarbeit gewinnt Und gerade in der planmäßigen Organisierung der Keilarbeit bereits auf den Schulen würde ja ein Hauptvorteil unserer Fusion zu sehen sein« Scheint also die Möglichkeit Ihrer bisherigen Taktik auf einen immer kleineren Kreis reduzierf, so wird selbst das Keilen dieses kleinen Kreises auf Grundlage Ihres neuen Programms bisher nicht vorhandene Schwierigkeiten finden. Und damit kommen wir zu unserem Haupteinwand. Auf Grundlage Ihres bisherigen Programms nämlich konnten Sie tatsächlich dem Keilfux