Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 4 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Der Jüdische Student Lieber Bundesbruder! Wir unterbreiten Euch diesen Vorschlag, den wir reiflich überlegt und untereinander sowie mit dem Präsidium des K.ZV. eingehend besprochen haben. Wir empfehlen Euch dringend, den Vorschlag in der vorliegenden Form anzunehmen. Und besonders an die Anhänger der Fusion richten wir unsere Bitte; kommt nicht mit neuen Vorschlägen, die uns zu neuen Verhandlungen nötigen würden. Wenn a m 19. J u1i die Fusion zustande kommen soll — und es ist dies schon wegen der Gründung von Frankfurt dringend erforderlich so kann dies nur auf der Basis unseres Vorschlages erfolgen. Jeder andere Vorschlag, der eine wesentliche Aenderung enthielte, müßte erst wieder dem Karteil mitgeteilt und auch mit den K.Z.V.-ern diskutiert werden. Das Präsidium hat alle Möglichkeiten einer Fusion eingehend erwogen; wir haben uns monatelang nur mit dieser Frage beschäftigt. Die Dinge liegen nicht so einfach, daß Ihr alle Konsequenzen anderer Möglichkeiten, wenn solche überhaupt praktisch vorhanden wären, überschauen könnt. Wir warnen d i e An h änger der Fu s i o n, daß sie durch neue Vorschläge das Zustandekommen der Fusion gefährden. Das Präsidium übernimmt die Verantwortung, wenn die Fusion in der von uns vorgeschlagenen Form zustande kommt; es kann die Verantwortung für ein Scheiternlassen der Fusion nicht übernehmen. Die Majorität des Präsidiums würde auch kaum auf Grund neuer Vorschläge in neue Verhandlungen mit dem K. Z. V. eintreten. Es lastet also auf Euch Jüngeren, den Anhängern der Fusion, eine große Verantwortung. Man könnte ein Bedenken gegen unsern Vorschlag haben: daß er nämlich nach außen hin und den K.Z.V.-ern gegenüber als für sie recht ungünstig erscheint, daß er den Anschein erweckt, als treten die K. Z. V.-er in den B.J.C. ein, der nun einen neuen Namen annimmt. Es war das aber bei dieser Art der Fusion nicht zu vermeiden. Um solchen Eindruck zu verwischen, ist es erforderlich, daß wir nach der Fusion den neuen Bundesbrüdern mit Freundschaft entgegenkommen, uns bemühen, bald in bundesbrüderliche Beziehungen zu ihnen zu treten. Dann wird auch die Fusion bald eine völlige sein. Denn die Geschlossenheit und Einheitlichkeit des Kartells beruht nicht auf dem Programme, sondern auf dem persönlichen Zusammenhange der Bundesbrüder.