Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 3 (25.6.1914)
- Date
- 1914-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Der judische Student für den Oolus setzen, wie der Jude in Palästina, nur mit dem Unterschiede, daß es dort jedem Bauern möglich ist, Volljude zu sein, hier dagegen nur einem kleinen Kreis auserlesener, national begeisterter Männer und Frauen, welche selbstverständlich kulturell von Palästina abhängig sind. Aber ein solcher Zionismus wäre nicht nur Selbstzweck für den Juden im Goius; eralle in ist imstande, die großen Mittel, welche Palästina brauchtr flüssig zu machen. Denn für „heiligste Güter', d. h. vor allem für ihre Sprache, lassen Völker Blut und Leben. Auch bei uns wird man mehr dafür lassen als Kupfergeld für die Nationalfondsbüchse. Wir haben bei den Juden Rußlands schon manch gutes Vorbild dafür. Ich resümiere meine theoretischen Auseinandersetzungen. Alle zionistische Arbeit, welche bisher in Deutschland getan ist, ist gewiß notwendig und gut gewesen, aber sie diente bisher lediglich dem Zweck, die Hindernisse, welche uns den Weg zum Judentum versperren, hinwegzuräumen. Zu positivem Judentum ist es bisher nicht gekommen. Die bisherige Agitation wird man, wenn auch vielleicht mit wenig Erfolg, notgedrungen weiter bei größeren Massen anwenden, aber in erster Linie ist es notwendig, auf eine gesunde, positive Entwicklung bedacht zu sein, welche im ersten Stadium selbstverständlich eine rein persönliche Entwicklung der Besten und Energischsten ist jetzt, nachdem der große Umschwung seit dem 7. Kongreß in Deutschland erst klar uns vor Augen tritt, nachdem uns Gefühl und Erkenntnis auf Selbsterziehung zu wirklich positivem Judentum hinweist, nachdem der hebräische Ospm und Palästina uns Werte schenkt, die uns zu heiligsten Güterrt werden können, jetzt ist es an der Zeit, daß jeder seine Begeisterungsfähigkeit von neuem prüfe und daß seine Begeisterung noch zehnmal so stark werde ais damals, als er Zionist wurde. „Weif, sehr weit entfernt ist der Hafen, den wir mit der Seele suchen. Dem tausendjährigen Wanderer jedoch darf kein noch so weiter Weg zu lang sein." (Autoemancipation.) * Ich glaube, meine theoretischen Auseinandersetzungen werden zum großen Teil unsern B. J. C.-ern nicht neu sein, denn ahn-