Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 3 (25.6.1914)
- Date
- 1914-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Judische Student 57 liehe Ueberlegungen gaben wohl auch den Anlaß zur Teilnahme an den hebräischen Sprachkursen vor einigen Wintern. Aber eins wird| den meisten neu sein, nämlich, daß man auf die Weise, wie man es bisher angefangen hat, allerdings nicht hebräisch lernen kann. Mir sagte vor kurzem ein Bundesbruder, er habe schon an vier Sprachkursen teilgenommen, aber er könne das Hebräische nicht lernen. Nun, wer meint, man könne so ganz nebenbei, neben all seinen anderen Interessen : B. J. C-er Interessen, sportlichen, rein menschlichen, gesellschaftlichen Interessen etc., die Sprache erlernen, die für uns ja einen rein ideellen Wert hat, deren Erlernung kein praktisches Agens befürwortet, der irrt allerdings. Daß man auf die Weise, wie es bisher in den Sprachkursen betrieben wurde, nichts weiter hervorbringt als die Phrase vom zu steinigen Boden für solche Dinge in Deutschland, von unüberwindlichen Schwierigkeiten, liegt auf der Hand. Daß die meisten nichts gelernt haben, liegt an der Inkongruenz der Zwecke mit den angewandten Mitteln. Die Schwierigkeit, die Sprache erst einmal so weit zu erlernen, bis man in die Literatur hineingekommen ist, ist allerdings nicht klein. Ist man aber erst einmal soweit, dann hilft die Literatur selbst weiter und ist imstande, mit allen den Energien, welche in ihr aufgespeichert sind, doppelt und dreifach zurückzuzahlen. Aber das erste große Hindernis zu überwinden, dazu gehört allerdings ein ganz anderer Elan, eine ganz andere Ausdauer. Ich will lieber statt allem gleich praktische Vorschläge machen und eine Methode angeben, welche ich augenblicklich in Posen mit einer kleinen Anzahl junger Leute, die ich selbst unterrichte, ausprobiere. Es äst hier „wie überhaupt im Leben". Kleine Opfer werden nicht gern gebracht, also fordere man große. Die Erlernung der Sprache muß klub mäßig betrieben werden. Es werden nur geeignete Leute (auf Vorschlag) hineingewählt, welche die nötige Energie und Zeit aufbringen wollen. Die Erlernung der Sprache ist in den Vordergrund alier Interessen zu setzen (mindestens muß täglich eine Stunde gearbeitet vverden). Die Leute müssen sich kameradschaftlich aneinanderschließen und sich bewußt sein, daß sie ein<? große Verantwortung auf sich genommen haben, daß der