Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 3 (25.6.1914)
- Date
- 1914-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537746-3537749--3239-3542623- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
54 Der Jüdische Student körperliche Uebungen, Rudern, Wandern, Singen, Turnen, das soll uns frisch und froh fürs Judentum erziehen. Wie oft hat man nicht gehört, daß dies das einzig Positive im deutschen Zionismus sei! Man wird mir als allem Ruderer und jetzigem begeisterten Turner des Posener Turnvereins mangelndes Verständnis für solche Dinge nicht vorwerfen können. Es ist schließlich begreiflich, daß man zu dieser Anschauung kam. Positiv sind diese Dinge ja gewiß, im Gegensatz beispielsweise zu Diskussionen, und gewiß sind sie imstande, uns gerade und anständig und erfahrungsgemäß empfänglicher für den Zionismus zu machen, Aber auch sie dienten bisher nur dem Zweck, Hemmungen zu beseitigen. Positives Judentum ist — bisher wenigstens — darin noch nicht. Man muß die Inkongruenz solcher Mittel mit unseren Zwecken nicht übersehen, man darf diese Dinge nicht überschätzen. Natürlich sind sie nicht im Stande, dem nach Ganzheit und echtem Judentum Strebenden irgend etwas Jüdisches zu geben. Natürlich sind sie nicht im Stande, uns die Massen zu gewinnen, welche ja, unserer sportlich interessierten Zeit gemäß, dieselben Dinge auch außerhalb unserer Ideale übt Wie man mit unspezifischen Mitteln Spezifisches schaffen will, bleibt unerfindlich. Aber ähnlich haben wir viele andere, rein menschliche Werte erst aus unserer Beschäftigung mit nationalen Dingen erkannt, für welche wir früher kein Verständnis hatten, und diese rein menschlichen Dinge können wir, wie dies wohl geschieht, unmöglich zu zionistischen oder gar jüdischen Werten stempeln. Vergleichen wir unsere blassen, unspezifischen Formen mit den religionsgesetzlichen Formen der Pharisäer und wir werden uns unserer Kurzsichtigkeit schämen. Was soll also mit dem deutschen Zionismus werden? Ein Zweifel ist gar nicht möglich. Wir müssen den Anschluß an das hebräische Judentum des Ostens und Palästinas gewinnen, wenn wir nicht ein wertloses Anhängsel im Zionismus bleiben wollen! Man tut sich bei uns noch immer etwas auf das