Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 3 (25.6.1914)
- Date
- 1914-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537746-3537749--3238-3542622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Jüdische Student 53 ~~ ~~~ ~ ~~W :;; : — Aus diesen Gründen ist es durchaus zu verstehen, daß Herzl nach Uganda griff, um nicht sein stärkstes Agitationsmittel zu verlieren. In der Zeit des 6. und 7. Kongresses trat der große Umschwung ein. Die Uebersiedelung in unser neues Land wurde für die meisten in weite Fernen gerückt. Wo waren die Pharisäer, welche uns nach diesem dritten Churban, von welchem ja Schemarjahu Lewin auf dem 6. Kongresse sprach, die Sehnsucht nach Zion in eisernen Formen zu erhalten wußten? Es waren zwar keine Pharisäer, aber ein junges Geschlecht im Osten war da, weiches die alten Formen wieder neu belebte, das in seiner Kindheit noch die hebräische Sprache fast ais Muttersprache gelernt hatte. Und dieses Geschlecht übernahm alles Brauchbare des Herzischenpolitischen Zionismus und fühlte sich berufen, die Leitung weiter zu führen. Der ganze Kampf zwischen Ost und West seit dem 0. Kongreß drehte sich wohl nur zum geringsten Teil um unsere Schlagworte: politischer und praktischer Zionismus, sondern in der Hauptsache um die Beruf fen h e i t, wer im Stande sei, das zionistische ideal uns zu erhalten. Und den Beweis, daß nur der Zionismus des Ostens imstande sei, das Ideal nicht verblassen zu lassen und neue Quellen der Begeisterung zu erschließen, den haben die Juden des Ostens in der Zeit seit dem 7. Kongress erbracht. Die Kongresse sind mittlerweile zu hebräischen geworden, alle Errungenschaften in Palästina, seiein es kolonisatorische, seien es kulturelle, rühren — von einigen westlichen Pionieren vielleicht abgesehen — von den Juden des Ostens her. Und daß wir trotz der geringen Zunahme der Schekeizahler, welche vielleicht einer besonders starken Propaganda, mehr aber der Palästinaarbeit des Ostens zuzuschreiben ist, in Deutschland stagnieren, wer hätte dieses Gefühl nicht? Ja, man hat schon versucht, sich auch in Deutschland zu entwickeln. Abgesehen von dem Ausbau der Organisation y denke ich besonders an die Entwicklung des B, J. C und der Jüdischen Turnersehaft. Das ist, um ein beliebtes Wort von Emil Cohn zu gebrauchen, die Erziehung zur Naivität: Unkompliziertheit im Denken und Handein, Kameradschaftlichkeit,