Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 3 (25.6.1914)
- Date
- 1914-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Judische Student schichte und finden wir bei keinem anderen Volke. — Und doch1 will es so vielen noch ein Wunder erscheinen, daß sich dieses Volk Jahrtausende lang erhalten hat^ Nun zur Entwicklung unseres Zionisten oder sagen wir B. J. C-ers. Wie fängt er es an, sich sein auf Herzlschem Wege der Erkenntnis erworbenes Zionsideal zu erhalten? Nun, so lange ihm seine „zionistischen Probleme" noch zu schaffen machen und, falls er intelligent und ernst genug ist, ihn den ganzen Tag nicht los lassen, da geht es noch. Aber schließlich führt ihn der Weg' immer nach Zion und zum Judentum. Es muß der Zeitpunkt kommen, wo er, von Theorien, die ihm nichts Neues mehr sagen können, übersättigt, sich nach lebendigen Formen sehnt, in welche er sein Leben einkleidet Wir nehmen an, ihm sei Zion verschlossen! Also jüdische Formen! Man hört wohl hie und da von zionistischen Formen reden. Das ist Unsinn. Zionismus ist nur Wille zum Judentum. Jede jüdischeForm aber beginnt (trotz Lelewer) m i t der hebräischen Sprache. Und nur diese eröffnet uns, vorläufig hauptsächlich in den Sprachformen selbst und in der Literatur, Formen, für welche wir uns begeistern können, weil sie sich täglich fortentwickein. Es kann kein Zweifel sein, daß sie uns auch bald gesellige Umgangsformen, beispielsweise bei der Feier unserer nationalen Feste, bringen wird, selbstverständlich unter Einwirkung Palästinas. Ich kann mir vorstellen, daß sich z. B. um die Peßachzeit auch bei uns Reit-, Sport- und Turnspiele in hebräischer Form und mit hebräischen Kommandos einbürgern, Spiele, welche vielleicht auf die alten historischen Grundlagen dieses Festes sich beziehen, daß Lieder aller Art bei uns gesungen werden, hebräische Wiegenlieder, Kinderlieder, Kommerslieder, Volkslieder, daß vielleicht sogar palästinensische Hopstärize bei uns Anklang finden. — Wenn also unser Zionist sich in der hebräische Sprache und Literatur ausleben könnte, wenn er sich in mächtiger und anhaltender Begeisterung die hebräische Sprache erobern könnte, die ihm alle alten und sich neu entwickelnden Formen erschließt, ihm unsere nationalen Dichter erstehen läßt, da könnte ihm geholfen werden. Da könnte er sich, ein entsprechendes Milieu Gleichgesinnter vorausgesetzt, in Formen und Werten bewegen, die wirklich