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Der jüdische Student · 1914-06-25 · Heft 3 (25.6.1914) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
11 (1914-1915)
Issue
Heft 3 (25.6.1914)
Date
1914-06-25
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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50 Der Jüdische Student verschuldet hat, hinwegzuräumen, und wir glauben, daß danach reinere und mächtigere Kräfte, welche auch die träge Masse bewegen, zur Wirkung kommen. Doch gehen wir gleich in medias res. Nehmen wir die Entwicklung jedes Einzelnen von uns. Hätten wir noch den alten Herzischen Zionismus, der uns das Land, den Boden, auf dem wir gesunden sollten, in allernächster Zeit versprach, so wäre, außer Frage, das nächste Ziel der Entwicklung jedes aufrichtigen, jedenfalls aller besten Zionisten gewesen, in dieses Land überzusiedeln. iNachdem dieses Endziel für die meisten von uns in weite Ferne gerückt würde, müssen wir sehen, wie wir uns unsere Zionsliebe auch außerhalb unseres Landes bewahren. Die beste Methode dazu gibt uns zweifellos unsere tausendjährige Goiusgeschichte an die Hand, Hat doch unser Volk während des ganzen öolus in erster Linie mit ungeheurem Kraftaufwand daran gearbeitet, diese alte Sehnsucht nach unserem Lande und nach normalem Volksleben sich zu erhalten. Was ist aber das Charakteristische dieser Methode? — Doch wohl das, daß sie das ganze Leben jedes Einzelnen in spezifische Formen einzwängte und mit ungeheurem Kraftaufwand arbeitete. Kein Bissen wurde in den Mund gesteckt, der nicht seine religiösnationale Weihe und Würze bekommen hatte, kein Schluck Wein getrunken, dem das jüdische Bouquet gefehlt hätte. Das Hineingehen in das Haus und das Herausgehen, das Schlafengehen und das Aufstehen, das Händewaschen, jede noch so nebensächliche Handlung geschieht unter bestimmten Formen und Formeln,, selbstverständlich hebräischen Formen, denn daß es nirgends eine nationale Form ohne nationale Sprache gibt, braucht wohl nicht erst bewiesen zu werden. Das ganze Leben des Kindes und des Jünglings diente lediglich der Aufnahme dieser nationalen Werte, Werte, welche die Strenge des religiösen Gesetzes zu dem Heiligsten, was es in der Welt gab, gestempelt hatte, welche dem ganzen Leben eine bestimmte Gestalt und Charakteristik gaben und deren strikte Befolgung hohen Lohn im jenseits versprach; Ein derartiges Einspannen der ganzen Lebensverhältnisse in diese Spezifischen Formen, eine derartige Einengung aller Geistes- und forschungsrichtung nach diesem national-religiösen Seite hin steht einzig in der Menschheitsge-

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