Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 3 (25.6.1914)
- Date
- 1914-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Der Jüdische Student möglich ist sie nur durch Hingabe des Einzelnen von seinem Recht an das Ganze, Liegen Umstände vor, die es dem Einzelnen unmöglich machen» dieses Opfer der Individualität zu bringen — ich habe oben ausgeführt, daß das auf persönlich sittlicher Grundlage geschehen kann —, dann ißt diese Harmonie gestört, dann muß der Einzelne weichen. Es ist überlegeneres, zweifelfreies Recht der Gesamtheit, das verlangen zu dürfen. Es tut mir sehr leid, meine Darlegungen schließlich auf so breitem, allgemeinen Fundament aufgebaut zu haben. Aber es schien mir dies notwendig, einmal, weil ich weiß, daß ich in dieser Frage von der Auffassung zahlreicher älterer, sehr angesehener und von mir sehr geschätzter Bundesbrüder abweiche, und zweitens, v/eil ich mich verpflichtet fühle, die Stellungnahme meines Königsberger Vereins, der sich einstimmig schließlich auf meinen ^Standpunkt gestellt hat, zu rechtfertigen. Der Fall, der den Anlaß zu den vorliegenden Ausführungen gegeben hat, ist nämlich inzwischen so erledigt worden, daß der hiesige j"\ Verein sich an den Bezirksverband für den Wohnsitz des beireffenden Bundesbruders wandte und ihn bat, in fairer Weise dem Bundesbruder nahe zu legen, sein Austrittsgesuch einzureichen. Das ist seitens des^^ Bezirksverbanyes geschehen. Der Bezirksverband betonte allerdings seine von der unsrigen abweichende Auffassung energischst und hat sich in diesem Sinne — ich glaube sogar beschwerdeführend — an das Präsidium gewandt Da also so tiefgehende Differenzen über diese Frage im B* j. C bestehen, erschien es mir wichtig genug, die breiten Grundlagen für eine Aussprache und für die Herstellung der mir über alles gehenden inneren Einheit zu schaffen. Zum Schluß ganz kurz ein paar Worte, wie ich mir die praktische Ausführung denke. Zunächst möchte ich keine Rückwirkung auf frühere Fälle, von denen ich bei dieser Gelegenheit erfuhr, verlangen^ Am liebsten sähe ich, wenn der Bundesbruder, der dieses Geschick oder dieses Pech hat, selber so viel Einsicht oder Takt besässe, von selbst beiseite zu treten. Geschieht das nicht, so sollte man ihm erst in freundschafk lichster, delikatester Weise nahelegen lassen, sein Austrittsgesuch einzureichen. Tut er das nicht, dann ist er zu dimittieren. Das alles aber wird ja in sichere Form kommen, wenn der nächste K T. — auf Antrag Königsbergs — darüber beschlossen haben wird.