Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 11 (1914-1915)
- Issue
- Heft 3 (25.6.1914)
- Date
- 1914-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Der Jüdische Student 45 Wir verwerfen die Mischehe, weil wir meinen, daß sie den Bestand der Gemeinschaft quantitativ und qualitativ schädigt. Wir verwerfen sie auch, weil unsere Auffassung von Rassestolz uns verbietet, uns mit fremdem Blut zu mischen. Es ist also ein nationales Gebot, das wir angenommen haben. In dem Augenblick ist seine Gesetzeskraft, sein zwingender Wert unabhängig von dem Umfang seiner realen Wirkung. Unabhängig von der Art seiner Entstehung, ist es nicht mehr ein Gebot rassebiologischer Zweckmäßigkeit, über die von Fall zu Fall zu entscheiden ist, sondern eine Forderung nationaler Ethik, und hat deshalb für uns absoluten Zwang. Dies ist von denen verkannt worden, die da glaubten, sich auf die vielleicht richtige Tatsache berufen zu können, daß bis auf absehbare Zeit die Mischehen so selten sein werden, daß sie vom nationalen Gesichtspunkte bedeutungslos seien, und daß man deswegen, bei entsprechenden Bedingungen, Ausnahmen für diese Frage zulassen dürfte. Für uns B.J.C.-er ist die Frage der Mischehe aller Dinglich keit, Zweckmäßigkeit, Bedingtheit entrückt, weil sie für uns zu e*ner Frage absoluter nationaler Sittlichkeit,/ zu einem sittlich-nationalen Ideal geworden ist/ Weil dem so ist, weil es sich wirklich auch bei der meinetwegen praktisch bedeutungslosen Frage der Mischehe um ein solches Prinzip handelt, ist die Stellungnahme des V.J.St-ers zu ihr genau wie zu jedem anderen idealen Prinzip gegeben: alles oder nichts. Der Wille zur Ausnahme wäre die Bresche in die Festung, die ihren Untergang besiegelt. Das mag den einen als ein lebensferner Radikalismus erscheinen, den anderen5' als hart und gefühllos. Die ersteren weise ich zurück. Den zweiten gebe ich zu, daß es im Einzelfalle oft hart sein wird. Ich habe bereits oben gesagt, daß ich mir Umstände vorstellen kann, aus denen heraus es sogar persönlich sittliches Handeln sein kann, wenn jemand eine Mischehe eingeht Und nur für solche war ja die Ausnahme gedacht. Aber die nationalethische Forderung muß darüber gehen. Wir wollen gerade lernen, auch gegen uns selber hart zu sein, wo es die ethischen Forderungen der Gemeinschaft zu wahren gilt. Diese bourgeoise Sentimentalität, diese Weichheit des Verstehens und Weichlichkeit des Nachfühlens wollen wir uns nur ruhig abgewöhnen. Sie haben den leiden-